Auf Lessings Spuren: Ein Tag in Wolfenbüttel

8. Juni 2018 Auf Lessings Spuren: Ein Tag in Wolfenbüttel

Wir, der 10. Jahrgang, beschäftigt sich derzeit mit dem bürgerlichen Trauerspiel „Emilia Galotti“, welches von niemand anderem als Gotthold Ephraim Lessing selbst im Jahre 1772 verfasst und erstmals in Braunschweig aufgeführt wurde. 
Bis über beide Ohren in die wunderschöne Bürgerliche Emilia Galotti verliebt, vernachlässigt der Prinz von Gusatalla seine Regierungsgeschäfte und erteilt seinem windigen Kammerherrn Marinelli den Auftrag, das Problem der anstehenden Hochzeit seiner Angebeteten mit dem Grafen Appiani aus der Welt zu schaffen. Das bürgerliche Trauerspiel macht vor allem auf Disparitäten zwischen Adel und Bürgertum aufmerksam, auf verschiedene Vorstellungen von Ehe und Unschuld. Um die historischen Hintergründe nachvollziehen zu können, fuhren wir mit dem gesamten 10. Jahrgang der Bismarckschule im Rahmen des Faches Deutsch mit Lisa Bergelt, Christine Eichenberg, Ulrike Kuhlemann und Judith Twenhövel in die Stadt, wo Lessing als Person, aber auch sein Schaffen greifbar werden.

Drei Programmpunkte führten uns durch den Tag:
Zunächst besichtigten wir das Schloss Wolfenbüttel, wo uns bereits der imposante Hofeingang beeindruckte. In prachtvollen Räumlichkeiten von einem in edelstem Tuche gekleideten höfischen Bediensteten empfangen – hier antichambrierte (wartete) man damals, klärt er uns auf, – tauchten wir direkt ab ins 18. Jahrhundert. Der auskunftsfreudige „Bedienstete des Hofes“ (eigentlich handelte es sich natürlich um einen Schauspieler, was man aber nach zwei Minuten vergessen hatte) unterrichtete uns, geschockt ob der kurzen Beinkleider der Mädchen und der fehlenden Seidenstrümpfe der Jungen, über die üblichen (=damaligen) Umgangsformen. Dazu gehört auch das Einstudieren des angemessenen Knickses, den wir gemeinsam erprobten. Mit viel Charme und Witz führte uns der Bedienstete anschließend durch die einzelnen Wohn- und Repräsentationsräume des Schlosses. Wir erfuhren zum Beispiel, dass der Herzog auf Silbertellern aß und eine Gerätschaft besaß, um Vergiftungen sofort erkennen zu können. Des Weiteren besichtigten wir das so genannte „Paradeschlafzimmer“, auf dem sich ein prunkvolles, mit Straußenfedern geschmücktes gelbbezogenes Bett befand, welches er für den so lange erhofften Empfang des Kaisers höchstpersönlich bereitzustellen vermochte – zu diesem kam es tragischerweise nie – das Bett blieb unbenutzt und für den heutigen Besucher in all seiner exotischen Schönheit besichtbar.

Anschließend stand das Lessinghaus auf dem Programm, in welchem der Autor allerdings nur vier Jahre seines Lebens verbrachte. Wir fanden heraus, dass er Theologie studierte und keineswegs ein vollkommen rosiges Leben besaß: Psychische Erkrankungen und nicht zuletzt wegen seiner Spiellust auch manches Mal Geldsorgen prägten seine Zeit in Wolfenbüttel. Leider gab es im Lessinghaus zurzeit nicht allzu viel Persönliches zu sehen, lediglich ein kleiner Tisch und einen Spazierstock gab es zu betrachten, mit welchem der Dichter und Schriftsteller oft 13 km nach Braunschweig spazierte, da Wolfenbüttel ihm schrecklich langweilig erschien.
Ab 1770 war Lessing Bibliothekar in der Herzog-August-Bibliothek, welche sich direkt gegenüber des Lessinghauses befindet: Ein riesiger abgedunkelter Raum, überfüllt mit alten, vergilbten Büchern, die bis zur hohen Decke reichen, beeindrucken den Besucher. Es finden sich Bücher aller Fachbereiche: Religion, Physik, Geschichte, Kriegskunst u.v.m. Die meisten sind auf Latein verfasst.
Nach einer abschließenden Stärkung im anheimelnden Wolfenbüttel ging es anschließend mit dem Zug zurück nach Hannover. Am Ende des Tages hatten wir viele neue Eindrücke gesammelt und waren Lessings Spuren ein klein wenig gefolgt.

Vanessa Rangelova, Jg. 10

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