Ein geschichtsträchtiger Bundesentscheid für die Bismarckschule

16. Oktober 2018 Ein geschichtsträchtiger Bundesentscheid für die Bismarckschule

Das Warten hatte ein Ende. Nachdem sie morgens noch bei der RVB-eigenen Regatta auf dem Maschsee geholfen hatten, machten sich die beiden Mannschaften, die sich für das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia vor den Sommerferien qualifiziert hatten, und die Nachwuchsachtermannschaft auf den Weg nach Berlin. Den Vierermannschaften hatte die Deutsche Bahn eine 1. Klasse-Fahrt im ICE spendiert. Die Achtermannschaft musste etwas länger bei der endspurt-Regatta helfen und kam mit dem Bootstransport bzw. Privatauto nach.
In Berlin musste sich der Betreuer Patrick Gewohn der ersten Herausforderung stellen: Anstellen für die Akkreditierung. Da diesmal von der Bahn Sonderzüge für alle Jugend trainiert-Mannschaften eingerichtet wurden, kamen auch sehr viele zeitgleich an. Fast 2 Stunden und neue Bekanntschaften quer durch Deutschland später, konnte die Reise endlich weiter zur Unterkunft gehen. Die Achtermannschaft hatte es da etwas leichter, da sie mit den Autos direkt zu ihrer Unterkunft in der Nähe der Strecke gebracht wurde.

Am nächsten Tag frühstückten die JtfO-Mannschaften und die Achtermannschaft in ihren jeweiligen Quartieren genüsslich, während für andere gerade der Unterricht begann. Kurze Zeit später ging es dann allerdings zur Regattastrecke nach Grünau, die sich von ihrer unschönen Seite zeigte. Die Temperatur war für die Sportler in Ordnung, der Wind wehte aber sehr stark. Die Boote hatten die Mannschaften schnell zusammengebaut und ruderten ein paar Testkilometer, um sich an die Regattastrecke zu gewöhnen und die Einstellungen überprüfen zu können. Unsere Mannschaften kamen mit den Bedingungen relativ gut klar, auch wenn sich etwas Wasser im Boot gesammelt hatte. Das galt nicht für alle Teilnehmer. Eine Vierermannschaft aus Baden-Württemberg ist im wahrsten Sinne des Wortes abgesoffen. Durch den Wellenschlag war so viel Wasser ins Boot gekommen, dass es untergegangen war und die Mannschaft von der DLRG aus dem Wasser geholt werden musste. Einige Kindermannschaften kamen nur mit Mühe gegen den Wind an. Zum Glück sollte das Wetter in den folgenden Tagen besser werden.
Am Abend empfing uns das Land Niedersachen, wünschte uns viel Erfolg und lud uns zum Essen ein. Gesättigt ging es dann wieder nach Hause. Die großen Tage standen bevor.

Die Wettervorhersage war zum Glück richtig. Es war an den beiden folgenden Tagen zwar immer noch etwas windig, aber nicht mit dem ersten Tag vergleichbar.

Der Juniorenvierer mit Emil Rast, Maximilian Winnecke, Leon Knaack, Ole Riemer und Steuermann Aron Kröhnert hatte die meisten Rennen auf dem Plan. Da 13 Bundesländer ihre Mannschaften nach Berlin entsandt hatten, gab es Vorläufe, Hoffnungsläufe, Halbfinals und das Finale. Den Hoffnungslauf konnten sie sich ersparen, wenn sie beim Vorlauf mindestens den 3. Platz erreichten. Daher gab ihr Trainer Cornelius Dietrich dies als Ziel aus. Die erste Hälfte des Rennens sollten sie ihr normales Rennprogramm abspulen und dann mindestens den 3. Platz sicher ins Ziel bringen und nach Möglichkeit etwas Kräfte für den Folgetag sparen. Gesagt. Getan. Da der Viertplatzierte etwa 20 Sekunden zurücklag, konnten sie auch einige Körner sparen.

Im Halbfinale mussten die Jungs erneut den 3. Platz erreichen, um sich für das A-Finale zu qualifizieren. Allerdings entschied die Platzierung im Halbfinale auch über die Startbahn im Finale, sodass man mit einer besseren Platzierung der Konkurrenz etwas näher sein könnte. Wie im Vorlauf hatten sich unser Boot 300m vor dem Ziel gut positioniert. Zwar war ein Boot etwa eine Bootslänge enteilt, genauso viel Vorsprung hatte unsere Mannschaft aber vor den beiden Booten, die um den heiß begehrten 3. Platz kämpften. Somit also eine souveräne Qualifikation für das A-Finale.
Im A-Finale ging es dann zur Sache, schließlich waren nun nur noch starke Mannschaften im Rennen. 4 Mannschaften kamen von Sportschulen. Das versprach ein anspruchsvolles Rennen zu werden. Letztes Jahr hatte unser Team in leicht anderer Besetzung den 3. Platz erreicht, das Sportgymnasium Dresden hatte in leicht anderer Besetzung gewonnen. Die Ruderer der übrigen Mannschaften waren letztes Jahr in anderen Bootsgattungen unterwegs oder neu bei JtfO. Viele Namen waren aber bereits von den deutschen Jugendmeisterschaften bekannt. Das Rennen hielt, was es versprach. Zwar hatte sich das Boot aus Dresden 200m vor dem Ziel (mal wieder) absetzen können. Dahinter gab es aber eine Gruppe von 3 Booten, die die übrigen Podestplätze unter sich ausmachten. Und unsere Mannschaft war dabei. Es entbrannte bis zum Ziel ein harter Kampf und endete damit, dass unsere Junioren den 3. Platz aus dem letzten Jahr bestätigen und zwei Mannschaften ausgewiesener Sportschulen in die Schranken weisen konnten.

Diese hervorragende Leistung ist das Ergebnis des konsequenten Trainings der Sportler unter der Anleitung von drei ehemaligen Bismarckschülern. Es begann mit der sehr guten Aufbauarbeit von Lars Hildebrandt und dem Feinschliff in den letzten Jahren von Sebastian Krohne und Cornelius Dietrich. Ein Dank geht auch an den Deutschen Ruderclub, der Cornelius Dietrich die Möglichkeit gegeben hat, den Vierer auf der Ihme zu betreuen.

Der Juniorinnenvierer mit Marie Beretz, Fabiola Werner, Lisa-Marie Freitag, Lisa Rosenhäger und Steuerfrau Vanessa Hies hatte ein auf den ersten Blick einfacheres Programm, da nur 12 Boote gemeldet waren und man dadurch auf Halbfinals verzichtete. Allerdings bedeutete dies, dass man den Vorlauf gewinnen musste, um sich direkt fürs Finale zu qualifizieren. Da die Konkurrenz sehr stark war, machte ihr Trainer Sebastian Krohne daher die Ansage, das Rennen erst einmal voll anzugehen, dann aber nach etwa der Hälfte des Rennens zu entscheiden, ob der erste Platz realistisch sei. Die Annahme war eher, dass dies nicht erreichbar sei und man dann Kräfte für den Hoffnungslauf sparen sollte. Es kam aber anders. Nach einem fantastischen Start lagen sie nach 100m mit etwa einer Länge in Führung! Und auch bei 500m waren sie noch in Führung. Nur ein Boot konnte ihnen folgen und langsam herankommen. Die Entscheidung war gefallen: Der 1. Platz war nun das Ziel. Zwischen den beiden Booten entwickelte sich über 500m ein harter Kampf. Ein Spurt des Berliner Boots schob dieses an unseren Mädels vorbei. Diese konterten ihrerseits mit einem Spurt. Und so ging es bis ins Ziel weiter. Am Ende trennten die beiden Boote weniger als 1 Sekunde. Es hatte gereicht: Platz 1 war errungen und das Finalticket gezogen. 25 Stunden Zeit, um sich für das Finale zu erholen.

Am nächsten Tag ging es dann um alles. Letztes Jahr hatte die Mannschaft in leicht anderer Besetzung den 5. Platz eingefahren. Auch die Mannschaften, die im letzten Jahr den 6. bzw. 4. Platz erreicht hatten, waren in leicht anderer Besetzung wieder im A-Finale. Die restlichen Boote waren gespickt mit Athletinnen, die bereits bei den deutschen Jugendmeisterschaften gestartet waren. Einfach wird es nicht, aber der Vorlaufsieg hat die Juniorinnen auf den Geschmack gebracht. War ein Podiumsplatz möglich? Es war auf jeden Fall das spannendste Rennen des Tages. Etwa 300m vor dem Ziel hatte sich ein Boot leicht abgesetzt, ein Boot war abgeschlagen, die übrigen Boote lagen praktisch gleich auf. Und wieder war unsere Mannschaft dabei. Das Rennen in dieser kräfteraubenden Bootsklasse blieb bis ins Ziel spannend. Am Ende reichte es für das Podest. Die Konkurrenz aus dem letzten Jahr wurde geschlagen; das Boot aus Berlin, das sie im Vorlauf noch knapp geschlagen hatten, hatte diesmal den Bugball leicht vorne. Auch diesmal trennte die beiden Boote weniger als eine Sekunde. Den 2. Platz nur knapp verpasst.

Dieses Ergebnis übertraf die Erwartungen, mit denen man nach Berlin gefahren war. Diese deutliche Steigerung lässt sich darauf zurückführen, dass die 4 Juniorinnen seit dieser Saison alle Leistungssport beim Hannoverschen Ruderclub betrieben hatten, wo sie von Malte Liepert trainiert wurden. Da der HRC aus seiner Trainingsgruppe eine anderen Viererbesatzung für die Jugendmeisterschaften gebildet und trainiert hatte, war die Vorbereitung nicht ganz optimal. Das war sicherlich mit ein Grund, weshalb es beim Landesentscheid noch nicht ganz rund lief. Als Sebastian Krohne, der die meisten Athletinnen schon im Kinder- sowie ersten Juniorinnenjahrgang betreut und bis zum Leistungssport gebracht hatte, nach den Sommerferien das Training übernahm, lief es von Trainingseinheit zu Trainingseinheit besser. Er hat somit wesentlichen Anteil an dem Erfolg.

Neben dem Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia fand auch der Schülerachtercup statt. Dadurch hatte unsere Nachwuchssportler Bjarne und Kjell Schiele, Finn und Lasse Riemer, Erik Brinker, Oskar Goehrmann und Ole Köhler – verstärkt durch Tom Harms und Steuerfrau Kristin Henke – auch die Möglichkeit nach Berlin zu fahren. Den Fokus in der Saison hatte ihr Trainer Niklas Dittmar zwar auf den Skullbereich, also das beidseitige Rudern, gelegt, aber gegen Ende noch ein paar Termine im Achter trainiert, bei dem man nur noch auf einer Seite einen Riemen hat. Dementsprechend waren die Erwartungen nicht so hoch. Da 8 Boote gemeldet waren, war das erklärte Ziel das A-Finale zu erreichen. Nebenbei sollte die Mannschaft einen Einblick in den JtfO-Bundesentscheid bekommen, für den sie sich hoffentlich in den nächsten Jahr auch qualifizieren können, und Spaß haben.

Am Tag der Vorläufe wurden dann allerdings zwei Boote abgemeldet. Das Ziel war damit ohne eigenes Zutun schon erreicht. Eine Herausforderung sollte es aber noch geben. Da ein Boot abgemeldet wurde, das wahrscheinlich ähnlich leistungsstark wie der Nachwuchsachter gewesen wäre, war nun das erklärte Ziel nicht Letzter im A-Finale zu werden. Damit die Jungs trotz ausfallender Vorläufe rudern konnten, ließ der Veranstalter ein Rennen für die Bahnbesetzung im Finale ausfahren. 3 Boote fuhren vorne weg; dann kam bereits unser Achter, dicht gefolgt von den Kasslern; Mainz war abgeschlagen. Dies hatte allerdings noch wenig zu bedeuten, denn es hätte auch Taktik sein können, sich etwas schwächer zu präsentieren, um am nächsten Tag für eine Überraschung sorgen zu können.
Am nächsten Tag kam dann der Anruf vom Trainer, denn er war gar nicht vor Ort, sondern auf Studienfahrt am Bodensee. Über Lautsprecher tönte daher: „Versucht möglichst lange an dem Carolinum dran zu bleiben.“ Das war das 3. platzierte Boot aus Osnabrück am gestrigen Tag mit einem Vorsprung von 14 Sekunden. Das sind Welten! Aber sie taten es wie befohlen. Bei 700m waren sie am Carolinum dran und schickten sich an aufzuholen. Am Ende reichte die Kraft aber nicht mehr, um auch beim Endspurt noch mit den Osnabrückern mithalten zu können. Am Ende bestätigten die Mannschaft ihren 4. Platz vorm Vortag, sie waren aber deutlich näher am Drittplatzierten und hatten einen sehr viel größeren Vorsprung zum 5. Platz.

Auch dieses Ergebnis ist als großer Erfolg zu werten und zeigt die gute Aufbauarbeiten von Niklas Dittmar, der die Truppe seit dem Kinderjahrgang betreut. Und viel wichtiger ist noch, dass die Jungs Blut geleckt haben.

Insgesamt ist das Ergebnis als grandios zu bewerten. Zwei Jahre in Folge hat die Bismarckschule Niedersachsen im Wesentlichen mit annährend denselben Mannschaften beim Bundesfinale vertreten dürfen und hat es in diesem Jahr mit beiden Mannschaften aufs Treppchen geschafft. Und auch die Leistung des Schülerachters ist bisher unerreicht. Dieser Erfolg wird nur schwerlich zu wiederholen sein. Für den JtfO-Juniorenvierer war es die letzte Teilnahme, aber der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern. Die Juniorinnen haben nächstes Jahr noch einmal die Chance auf eine Berlinteilnahme.

Patrick Gewohn

Nach oben

Für folgende Seite einloggen:

Vergessen?

Vergessen?
Einloggen