Reisebericht Tansania 2018

3. April 2018 Reisebericht Tansania 2018

Wir, zehn Schüler_innen der unesco-ag aus Jahrgang 10 und 11 sowie Frau Günther und Frau Deniz machten uns 2 Wochen vor den Osterferien von Hannover aus auf, um unsere Partnerschule, die Msafiri English Medium Pre & Primary School, in Kisangara, Tansania – nicht unweit vom Kilimanjaro – zu besuchen.
Lange hatten wir auf diese Reise hingearbeitet, viele tolle Spenden gesammelt und Unterricht und Aktionen mit den Schüler_innen vor Ort vorbereitet.
DANKE an all die zahlreichen Spender von Geld, Laptops, Handys, Trikots, Fußballschuhen, Kleidung, Schreibwaren, usw. Alles wurde an die Kinder und vielen Mitarbeiter_innen der Schule verteilt, alle haben sich riesig gefreut.
Nach einem aufregenden Flug – wir hatten wegen eines medizinischen Notfalls einen Zwischenstopp in Athen – und Problemen mit dem Zoll bei der Einreise wegen unserer vielen Spenden – gottseidank gab es ein Empfangskomitee, so dass uns Schulleiter Kodawa auslösen konnte – kamen wir in der Nacht zu Sonntag müde aber froh an der Msafiri School an, wo es ein weiteres Empfangskomitee gab. Das vermittelte uns einen ersten Eindruck der überwältigenden Gastfreundschaft, die wir immer wieder erfahren durften.
Wir nahmen also Quartier, konnten uns schnell akklimatisieren – es war sehr warm und schwül, abends/ nachts regnete es regelmäßig – und wurden bestens versorgt.
Die Jungs hatten viel Freude mit ihren kleinen tierischen Besuchern Hundertfüßer Joseph und Gecko Hussein, aber etwas weniger Freude mit Ameisenbesuch, undichtem Dach und schlechtem Duschabfluss, die Mädchen hatten Montag plötzlich gar kein Wasser mehr im Haus – das Problem wurde aber von Hassan, Fahrer, Hausmeister, Alleskönner schnell gelöst.
Als erstes wurde dann das Projekt „Deutschland, Hannover, Bismarckschule, ich – Tansania, Kisangara, Msafiri, ich“ in allen Klassen durchgeführt, es wurde fleißig Fußball mit den Kindern gespielt und anderweitig Kontakte geknüpft.
Dienstag war ein ziemlich anstrengender Tag. Zunächst fuhren wir nur die ca. 3 km lange und holprige (und holprige heißt HOLPRIGE, wir würden sagen unbefahrbare) Strecke von der Schule zur Hauptstraße, einmal auf die andere Seite, um uns anzuschauen, wie es an einer staatlichen Grundschule aussieht. Wie zu erwarten, größere und schlechter ausgestattete Klassen, lediglich die älteren können ein paar Brocken Englisch. Begeistert haben sie uns dennoch ausgefragt, mit Übersetzungshilfe von stellvertretender Msafiri-Schulleiterin Flora kein Problem. Wir ließen eine kleine Spende von knapp 50€ und 50 Kulis da und fuhren weiter, wie wir dachten zur Gehörlosenschule, um zu sehen, wie Kinder mit besonderem Förderbedarf unterrichtet werden.

Tatsächlich kamen wir an einen Sportplatz, auf dem sich eine Feier dieser Schule zutrug, bei der Kinder ihr Können zeigten, was sie sportlich, handwerklich, künstlerisch so draufhatten. Leider waren die Reden alle auf Kiswahili, so dass uns ziemlich bald doch langweilig wurde – vor allem, weil das Ganze mit stundenlanger Verspätung losging. Die Tanzeinlage, bei der einige von uns mitmachten, und die kleinen Spiele bevor wir endlich abgeholt wurden, waren wenigstens eine kleine Abwechslung.


So konnten wir uns aber in einer Tugend üben, die viele Afrikaner*innen perfekt beherrschen: Warten. Sich einlassen auf das, was kommt. Hinnehmen, was nicht zu ändern ist. Die andere Seite – nicht Aufgeben, für Vieles (unkonventionelle) Lösungen finden – ist eine andere Stärke, die sich manche*r von uns sicherlich abgucken könnte.
Schließlich wurden noch voller Elan die Spendenkoffer umgepackt, die Utensilien für die Spieleolympiade sortiert und die 200 Bismarckbaumwolltaschen mit Haribo, Zahnpasta, Schlüsselanhänger und Kugelschreiber befüllt.
Mittwoch und Donnerstag ging es an Projekt 2, die Spieleolympiade. Das hat allen Beteiligten „mega“ Spaß gemacht hat. Ob Eierlauf, Sackhüpfen, Dreibeinlauf oder Schubkarre, es war eine Riesengaudi, und auch an einem kleinen Quiz als Denksportergänzung hatten die Kinder Freude. Später wurde bis zur Erschöpfung Seil gesprungen und Fußball gespielt. Auch traditionelle Klatsch- und Steinwurfspiele haben wir kennengelernt.
Genau das lag uns am Herzen und war eines der Ziele unserer Reise: das gemeinsame Spaß haben und der Austausch, das voneinander Lernen. Und das geht eben auch über Alters- Nationalitäts-, Sprach- und andere Grenzen hinweg. Man muss sich einfach nur darauf einlassen.

Donnerstagnachmittag besuchten wir den Markt in Mwanga und schlängelten uns zwischen Stoffen, Kleidung, Geschirr, Obst und Gemüse hindurch. Manche Waren lagen auf Planen auf dem festgetretenen roten Sand, manche auf Bretterständen, vor der Sonne schützen Plastikplanen. Natürlich haben wir nicht nur tansanische Marktatmosphäre geschnuppert, sondern auch tansanische Stoffe – Kangas und Kitenges – und Gewürze erstanden. Wieder zurück ging es folglich zum Schneider vorne am Tor zum Schulgelände.
Vor dem Abendessen mussten einige von uns dann doch mal waschen – mit der Hand 😉 Auch das geht…
Am Freitag waren wir um 9h mit der One World Secondary School verabredet. Das ist die weiterführende Schule auf dem Gelände nebenan, die auch immer wieder Schüler*innen von der Msafiri aufnimmt, wenn es Sponsoren/ Paten gibt. Zuerst konnten wir uns das gesamte Gelände anschauen. Diesmal hatten wir übrigens als Begleitung draußen handtellergroße Heuschrecken mit wunderschön bunten Flügeln. Wir wurden eingeladen zur Teezeit gegen 11h, es gab Weißbrot aus dem eigenen Ofen. Danach fand eine Debatte zum Thema „Modernisierung – mehr Schaden als Nutzen“ statt.
Das gemeinsame Mittagessen mit den Kindern bestand aus Ugali, Spinat und Bohnen. Es gab sogar Bananen. Ich wage zu behaupten, dass unseren Schüler*innen da so richtig bewusst wurde, dass sie, was das Essen angeht, richtig verwöhnt wurden. Es war sicher auch eine Erfahrung, zu erleben, wie die Essensausgabe organisiert wird, und dass die Lehrkräfte für alle möglichen Dinge – neben dem Unterrichten – zuständig sind.
Es wurden sodann auf den oberhalb des eigentlichen Schulgeländes gelegenen Sportplätzen (sprich rote Sandplätze) Fußballspiele ausgetragen, z.T. in den von Firma Klauenberg gesponserten wunderschönen roten und blauen neuen Trikots, die beide Schullogos aufweisen. Außerdem wurden Liegestütz absolviert, auf Bäume geklettert, Kopfstand vorgeführt, die Haare unserer Mädchen geflochten… Die Bismärcker*innen sind immer von Trauben von Msafiri-Kindern umringt. Es machte Spaß, dabei zuzusehen, wie die einen mit den anderen umgehen.
In Moshi haben wir am Samstag die Souvenirläden unsicher gemacht als ob es kein Morgen gäbe ;)
Leider hatte der kleine Laden, den ich von den beiden vorherigen Besuchen kannte, geschlossen, so dass wir auf einen großen, auf finanzkräftige Touristen ausgerichteten Laden ausweichen mussten. Da gab es natürlich alles, was das Souvenirjäger-Herz begehrt, allerdings zu gepfefferten Preisen. Wir haben trotzdem den halben Laden leergekauft und traten dann unsere Stadterkundung an, d.h. zunächst besuchten wir den ständigen Markt, der z.T. in einer halboffenen Markthalle untergebracht ist, und wurden dabei auch Zeugen einer Hühnerschlachtung :O Um ein wenig mehr Stadtatmosphäre zu schnuppern, liefen wir u.a. die Market Street herunter und fanden einen weiteren schönen Souvenirladen.


Sonntag waren abends alle ganz fröhlich gestimmt in der dining/assembly hall, denn wir haben zusammen getanzt, gesungen und viel Spaß gehabt. Und das ganz ohne Musikanlage. Ins Schwitzen gekommen sind jdf alle. Vormittags waren wir nach Same zum Markt gefahren, um noch einmal schlendernd die Atmosphäre zu schnuppern. Nun haben wir wohl genug Märkte gesehen, um sagen zu können, dass wir eine Ahnung von nordtansanischen Märkten bekommen haben. Und wo unsere gesammelten Altkleider landen, davon haben wir nach diesem Tag auch eine Vorstellung.
Nicht weit von diesem großen Wochenmarkt entfernt lebt der Schulleiter, Kodawa, der uns zum Essen eingeladen hatte. Wir haben zwar sein Haus nicht von innen gesehen, denn wir saßen draußen im Garten, aber man konnte schnell erkennen, dass er mit seiner Familie sicherlich zur Mittelschicht gehört. Neben dem großen, hellen Wohnhaus befinden sich auf dem Grundstück auch weitere Einnahmequellen – u.a. Geflügel, ein Fischteich und ein wenig Landwirtschaft. Selbst von einem Gehalt als Lehrkraft allein kann man jedenfalls kaum eine Familie gut ernähren und den Kindern eine wirklich gute Bildung angedeihen lassen, nicht mal wirklich als Schulleiter.
Satt, schläfrig und mit Gastgeschenken bestückt (Kaffee und Honig) machten wir uns auf den Heimweg. 
Kurz vor Kisangara fing es dann zu tröpfeln an, alle packten hektisch ihre sieben Sachen zusammen, und als wir aus dem Bus ausstiegen, schüttete es wie aus Eimern. Da gab es nicht den Hauch einer Chance, auch nur annähernd trocken zum Zimmer zu gelangen – lediglich Beamen hätte – vielleicht – geklappt.
Montagmorgen wurden alle Schulmitarbeiter*innen, also Köchinnen, Reinigungskräfte, Fahrer, Wachleute, Erzieher*innen, … sowie die Lehrkräfte, versammelt, damit wir Ihnen ihre kleinen Mitbringsel überreichen konnten. Außerdem veranstalteten wir eine offizielle Fotoübergabe der Trikots und Laptops, die wir mitgebracht hatten. Im Anschluss wurde in verschiedenen Unterrichtsstunden hospitiert, bis es nach dem Mittagessen endlich Zeit war, den Kindern die Bismarckschule-Baumwolltaschen in die Hand zu drücken. Obwohl es ja nur eine Kleinigkeit war, war die Freude riesengroß.
Nun sollte es auf die langersehnte kleine Wanderung auf den nächstgelegenen Berg gehen. Die Zeit war begrenzt, denn es war angedacht, nach Schulschluss noch mit den Kindern Fußball zu spielen. Doch ungestüme Gipfelstürmer sorgten dafür, dass der Zeitplan heftig durcheinandergeriet und die Zurückgebliebenen fast anfingen, sich Sorgen zu machen. Es ging aber alles gut, und zum Abendessen war die Wanderguppe wieder da.
Am Dienstag hieß es früh aufstehen, um 6 Uhr wurden wir abgeholt, heia Safari! Wegen des starken Regens hatten wir kurzfristig umgebucht, und nach dem morgendlichen Geschütte war ich darüber auch ziemlich froh. Einige waren wohl ein wenig enttäuscht, dass das Abenteuer Camping daher flachfiel, aber von den Zimmern waren sie glaube ich alle recht angetan. Nach dem Essen hüpften jdf alle fröhlich in den Pool.
Auch das Willkommen durch unseren bewährten Safarikoch Patrick sowie das anschließende Abendessen (Avocadosalat, Obstsalat, Fleischspieße, anderes Fleisch, Fisch, Gemüse, Kürbissoße, Ugali, Fried plantain, vorher Suppe …) haben wohl genauso die Erwartungen übertroffen, wie der erste Nationalparkbesuch allen gut gefallen hat.


Wir stiegen nach einer ziemlich verregneten Fahrt in Arusha in zwei geräumige Jeeps um, um zum ersten Park, dem Tarangire, zu fahren. Dort angekommen hörte es wie bestellt mit dem Regen auf, so dass wir eine schöne Fahrt durch den Park genießen konnten, auch wenn die Sonne fehlte.
Auf dem Weg zum Park hieß es durch Arusha zunächst – Fenster zu, wir fahren durch einen äußerst armen Stadtteil – , später ging es durch Massai- Land. Und tatsächlich ist es eigtl genauso, wie man es sich vorstellt: sie tragen die typische Kleidung aus den meist rotkarierten Tüchern, haben einen Stock dabei und hüten ihre Viehherden. Immer wieder sieht man kleine Rundhütten.
Tarangire ist vor allem für seine wunderschöne Landschaft mit Baobabs (Affenbrotbäume) und Akazien sowie für Elefanten bekannt. Neben letzteren konnten wir etliche schöne Vögel sowie Giraffen, Gnus, Wasserböcke, Antilopenarten, Warzenschweine, Affen und einige Tiere mehr sehen. Von Löwen fehlte jede Spur, d.h. nicht ganz, denn Fußspuren haben uns unsere Guides gezeigt.


Nach einem frühen (5.30h) Frühstück (Toast, Ei, Marmelade, Erdnussbutter, Mango, Papaya, …) fuhren wir in den Ngorongoro Krater und sahen neben der spektakulären Landschaft eigentlich alle zu erwartenden Tiere. Bloß das Nashorn war ziemlich weit weg, und Gepard und Leopard sind leider auch so selten, dass sie es meist nicht auf die Abhakliste schaffen.
Sogar das Wetter spielte bis auf einen heftigen Schauer gegen Ende ganz gut mit. Es war zwar anfangs sehr kalt (ok, alles relativ, aber angezogene Pullis und übergeworfene Tücher sprechen doch eine deutliche Sprache) und blieb die meiste Zeit bedeckt, aber es regnete fast gar nicht. Dass die Regenzeit dennoch schon ihre Spuren hinterlassen hat, war deutlich an den Wegen, dem üppigen Grün und den riesigen Wasserlachen und Seen zu merken. Neben vielen verschiedenen wunderschönen und/ oder interessanten Vögeln (bin leider keine Ornithologin) gab es diverse Antilopenarten, Gazellen, Gnus, Zebras, Nilpferde, Hyänen, Schakale, Elefanten, Affen, Löwen, 1 Nashorn in der Ferne, bestimmt habe ich noch Tiere vergessen.


Das Highlight war dann bestimmt aber die unerwartete, dramatische Einlage nach Verlassen des Kraters:
An der Böschung linker Hand lag ein wohl gerade von Löwen erlegter Büffel, unser Guide meinte, die Löwen könnten nicht weit sein. Wir wollten gerade weiterfahren – so ein toter Büffel, den schon die Fliegen umschwirren, und der entsprechend schwere Wunden aufweist, ist ja an sich kein so schöner Anblick, da rief Frau Günther (Argusauge 😉 ), dass da ein Löwe sei. Der versuchte dann, die sicher von zwei Weibchen erjagte Beute weiter in die Büsche zu ziehen. Diese Aktion dauerte einige Minuten, wir hielten alle den Atem an, fotografierten, was das Zeug hält, spektakulär.
Am Donnerstag regnete es in Strömen, was letztendlich besser zum Lake Manyara passte, einem Park, der neben dem Salzwassersee hauptsächlich aus Wald und vielen Wasserläufen besteht. Und trotz des Regens haben wir tatsächlich doch eine Menge Tiere sehen können. Es war nur schade, dass wir durch den Regen nicht das Verdeck öffnen und so nur durch die Fenster schauen und fotografieren konnten.
Ein besonderes, wenn auch trauriges Erlebnis war ein am Boden liegender, wahrscheinlich sterbender Elefant, der gerade von einem Ranger begutachtet wurde. Unser Guide erzählte uns, dass evtl noch ein Arzt hinzugezogen wird, aber i.d.R. der Natur ihr Lauf gelassen wird. Lediglich das Elfenbein wird sichergestellt. Der „Rest“ ist dann einfach Nahrung für andere Tiere.
Samstag gegen halbzehn tansanischer Zeit waren wir zurück von einer Einladung zum Abendessen bei Flora, die alles für uns organisierte und managte, egal ob es um den „Einsatz“ bei den Kindern, unser Ausflugsprogramm oder das Essen ging. Gefühlt war sie wirklich rund um die Uhr im Einsatz. Zwar klappte nicht immer alles so wie geplant, ich erwähnte ja schon, dass wir uns u.a. in der Tugend der Gelassenheit und des Wartens üben konnten, aber irgendwie war dann doch alles immer so, dass es sich ganz gut fügte. Flora wohnt etwa 5 Minuten zu Fuß von der Schule entfernt in einem einfachen Steinhaus (mit Strom – der kurz vor unserem Abschied auch noch abenteuergemäß ausfiel – und einer Außentoilette – auch das sicher ein Abenteuer ;). Sie ist alleinerziehend mit fünf Schulkindern. Eine echte Powerfrau, die immer positive Energie ausstrahlt.


Der Tag fing allerdings damit an, dass die Bismärcker*innen nach dem Frühstück wieder mit den Schüler*innen spielten, bastelten und malten. Die genossen sehr die Aufmerksamkeit und Zuwendung, denn auch wenn immer mal Volontäre und andere Besucher da sind, ist es immer noch etwas Besonderes. Und obwohl die Lehrkräfte und das Betreuungspersonal den Kindern natürlich zugewandt sind:
liebevolle „Einzelbetreuung“, zweckfreier Spaß, Material zum Basteln und Malen in Hülle und Fülle – das ist nicht die Regel. Bevor es mit diesen Aktivitäten aber überhaupt losgehen konnte, mussten die Kinder noch ihre Wäsche waschen (die kleinen mit Hilfe, die großen selbstständig) und ihre Räumlichkeiten putzen. So lernen sie schnell, selbstständig zu werden und Verantwortung für sich zu übernehmen.
Sonntag früh sind wir, wie es sich für einen ordentlichen Sonntag gehört, um 10h in eine der fußläufig erreichbaren etwas größeren Kirchen auf dem Weg ins Dorf gegangen. Aufgrund der Liturgie kam es uns katholisch vor, verstanden haben wir natürlich nichts. Es war auch so eine schöne Erfahrung, denn abgesehen von der uns vielleicht eher unbekannten Sitzordnung (Männer und Frauen jeweils rechts bzw links vom Mittelgang) wurden wir freundlich und offen aufgenommen, indem uns Sitzplätze angeboten und wir in das kleine Begrüßungsritual (den Nachbarn ringsherum die Hand schütteln) einfach mit einbezogen wurden. So kamen wir uns gar nicht wie Fremdkörper vor. Einige von uns gingen dann auch zum Abendmahl, und selbstverständlich legte ich auch etwas für die gesamte Gruppe in den Kollektenkasten.
In Tansania leben übrigens Muslime und verschiedene christliche Konfessionen (Katholiken, Lutheraner, Adventisten, Pfingstler, …) friedlich miteinander. Msafiri-Kinder gehen deshalb je nach Religion/ Konfession Freitag in die Moschee oder Samstag bzw. Sonntag in die Kirche, auch die Lehrkräfte bilden die verschiedenen Gruppen ab. Nach dem Mittagessen ging es mit einer Stunde Verspätung per Schulbus zu den hot springs, wie sich herausstellte, ein weitläufiges Gelände mit kleinen Minitümpeln (Riesenpfützen), aus denen es z.T. sprudelte und die verschiedene Mineralien enthalten. Der holprige Weg dorthin führte auch an einem Wasserkraftwerk entlang, das die ganze Region mit Strom versorgt. Etwas enttäuscht, weil die Hot springs eher unspektakulär waren, ging es dann an den großen See in der Nähe, der aber aufgrund von Zu- und Abfluss badetauglich war. Zur Umkleidekabine für die Mädchen wurde der Bus – wenn man will, geht alles.
Dienstag früh saßen wir dann nach einem herzlichen und furchtbar traurigen Abschied mit gepackten Koffern müde im Bus Richtung Bagamoyo. Morgens regnete es passend zur Abschiedsstimmung auch, aber natürlich freuten sich auch alle auf den Indischen Ozean 🙂
Montag war ein wenig so ein Sammelsurium-Tag, wie das mit letzten Tagen oft so ist. Zuerst haben wir unsere Spendenkoffer ausgeräumt und die mitgebrachten Sachen thematisch sortiert. Dann ging es mit ein bisschen Wehmut ans eigene Koffer packen.


Nach der Teepause wurde von Hamisi die Ziege geschlachtet, die wir beim Besuch des Massaimarktes erstanden hatten, was sich ein paar z.T. mit gemischten Gefühlen auch anschauten bzw. sogar mithalfen.
Später haben die Mädchen sich mit Schülerinnen im entsprechenden Alter zusammengesetzt und ihnen die mitgebrachten Menstruationstassen erklärt. Wir müssen wohl nochmal welche hinterherschicken, auf so offene Annahme zu stoßen hatten wir nicht erwartet, immerhin ist das ja doch ein sehr intimes Thema.
Das Abschiedsbarbecue fand am späten Nachmittag/frühen Abend statt, etliche Lehrkräfte und Schulmitarbeiter waren neben Direktor M. Mngara, Schulleiter Kodawa und Stellvertreterin Flora anwesend.
Es gab von vielen kleine Dankesreden, auch von uns allen – jedem einzelnen. Als es längst dunkel war, löste sich das Beisammensein begleitet von ersten Abschiedsszenen auf, denn nicht alle konnten heute so früh zur Verabschiedung da sein.
Nach tatsächlich über 8 Stunden Busfahrt kamen wir dann endlich in Bagamoyo an unserer Unterkunft an, das Ganze verzögerte sich nämlich durch insgesamt 8 Polizeikontrollen. Einer schaute – im Gegensatz zu den meisten anderen – freundlich in den Bus hinein, warnte uns, gut auf unsere Sachen zu achten und niemandem zu trauen, und offenbarte uns am Ende, dass er einen 6wöchigen Kurs in Kaiserslautern absolviert habe: „Auf Wiedersehen“.
Als wir mit dem Bus auf das Lodge Gelände fuhren, waren schon die ersten Ohs und Ahs zu hören. Ausgestiegen, die Häuschen angeguckt und den Strand mit Meer direkt dahinter erblickt, gab es kein Halten mehr. Wir bezogen also diese paradiesisch gelegenen Häuschen, einige hüpften noch schnell in den nahegelegenen Minisupermarkt, und dann ging es an den Strand. Das Wasser war zwar pipiwarm, aber das tat dem Spaß keinen Abbruch. Natürlich ist der Strand nicht so gepflegt wie unsere kurtaxengereinigten Nord- und Ostseestrände, aber hey, dafür ist es auch der Indische Ozean am anderen Ende der Welt (ein bisschen übertreiben gehört dazu), es gibt Palmen und für unsere Augen malerische einfache Holzfischerboote.
Für das alles hat sich die lange Busfahrt doch gelohnt.
Die für uns sicher kleine Kehrseite der Medaille: Bagamoyo ist ein touristischer Ort, d.h. nur am zugehörigen und bewachten Strandabschnitt aufhalten, bei Spaziergängen, auch in der näheren Umgebung, keine Wertsachen offen bei sich tragen, vor allem gegen Abend. Und die ebenso herrschende Armut ist auch nicht zu übersehen. Dennoch genossen wir unsere letzten 2 Tage noch und ließen uns auch von den 36-38°C schwülheißem Wetter nicht unterkriegen (außer mir vielleicht, ich zerfloss). Es ist auch nachts tropisch warm, nichts bringt richtig Abkühlung.
Pünktlich um 9h am Mittwoch standen dann die Bajajis bereit und unser Touristenführer, Mr „Universe“ (kein Witz, sein Nachname Ulimwengu heißt übersetzt Universum) war eingetroffen. Zunächst rumpelten wir also zu den Kaole Ruinen. Von dort ging es zur Caravan Serai und dann zu Fuß in die sogenannte Stone Town, wo es verschiedene alte, z.T. koloniale Gebäude zu sehen gibt. So wandelten wir also auf historischen Spuren und konnten etwas über die wechselvolle Geschichte dieses Küstenortes erfahren. Einen Stop legten wir zwischendurch am Kunstmarkt ein, ursprünglich der Sklavenmarkt. Dort werden heutzutage vor allem Bilder, aber auch Holzarbeiten an Touristen verkauft. Nach diesen – vor allem wegen der schwülen Hitze – anstrengenden Exkursionen hatten wir uns den Rest des Nachmittags am Meer redlich verdient.
Abgerundet wurde der Tag dann noch durch ein Lagerfeuer am Strand unterm Sternenhimmel. Nun schliefen wir ein letztes Mal auf tansanischem Boden und fragten uns verwundert, wo die Zeit geblieben ist.
Donnerstag früh haben wir uns nach Gräbern Deutscher aus der Kolonialzeit das TaSUBa – College of Arts zeigen lassen. Einiges an Unterricht fand zwar wegen des unerwarteten Todes eines der Lehrer am vorherigen Sonntag – er hatte uns vor 2 Jahren das College gezeigt – nicht statt, aber wir bekamen dennoch einen Einblick in die Vielfältigkeit dieser Kunstschule, von Trommelbau über Bildhauerei bis Tonstudio. Der Nachmittag am Strand rundete unsere Zeit ab.


Schließlich mussten wir doch aufbrechen, und eine Kamikaze-Busfahrt zum Flughafen in Dar es Salaam, einen flugkranken Schüler, im Flugzeug-Bermudadreieck verlorenen Sportschuhen und einen verlorengegangenen und auf den letzten Drücker von einem Flufghafenangestellten wiedergefundenen Reisepass später kamen wir erschöpft aber reich an Erfahrungen und Erlebnissen wieder in Hannover an und wurden von den Familien in Empfang genommen. Diese Reise wird sicher allen in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Und dass doch alle einstimmig meinten, dass zwar Safari und Indischer Ozean großartig waren, aber vor allem die Zeit mit den Kindern der Msafiri School bleibenden Eindruck hinterlassen hat, beweist, wie wichtig diese persönlichen, intensiven Begegnungen sind.

Anke Deniz

Spenden: UNESCO Club für die UNESCO-Schule am Maschsee Bismarckschule e.V.
Sparkasse Hannover BLZ 250 501 80 Konto 597 112 IBAN DE66 2505 0180 0000 5971 12 BIC: SPKHDE2H
Verwendungszweck: “Tansania“

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