SOFIA Diary – Herr Brockmann-Behnsen berichtete täglich aus den USA

17. September 2018 SOFIA Diary – Herr Brockmann-Behnsen berichtete täglich aus den USA

Samstag, 22.09.2018:

Mein Aufenthalt hier in Kalifornien neigt sich nun leider dem Ende. Nach einem letzten Frühstück in unserem Hotel in Palmdale brachen wir in Richtung Los Angeles auf. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen kleinen Abstecher zu den Vasquez Rocks, einer beeindruckenden Felslandschaft, die schon in unzählige Spielfilmen (u.a. Planet der Affen, diverse Star-Trek-Filme) und Musikvideos (u.a. Michael Jackson: „Black or White“) als Kulisse diente.

Nach einem Spaziergang um die als „Famous Rock“ bezeichnet Hauptformation der Felsen ging es dann nach LAX, dem Flughafen von Los Angeles. Nach einem elfstündigen Flug kam ich etwas erschöpft, aber voller unfassbarer Eindrücke wieder in Deutschland an. Die Woche in Kalifornien wird mir nachhaltig in Erinnerung bleiben. Es ist ausgesprochen faszinierend zu sehen, mit welcher Akribie und Präzision die Techniker von NASA und DLR Flugzeug und Teleskop betreiben und mit welcher Hingabe sich die Astrophysiker ihrer Forschung widmen. Aber auch die kalifornische Landschaft und die 17-Millionen-Metropole Los Angeles haben bei mir tiefe Eindrücke hinterlassen.

Dafür bin ich vielen Menschen sehr dankbar: Frau Dr. Antje Lischke-Weis, die beim DSI für die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist, hat die gesamte Tour absolut professionell geplant und organisatorisch durchgeführt, die Kolleginnen und Kollegen von NASA und DLR/DSI haben vor Ort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um unseren Aufenthalt im AFRC möglichst ergiebig zu gestalten. Meine drei Kollegen aus Baden-Württemberg haben durch ihre freundliche und unkomplizierte Art für eine äußerst angenehme Atmosphäre gesorgt. In Hannover gilt mein Dank unserem Schulleiter, Herrn Heinrich Frommeyer, der keine Sekunde gezögert hat, mich für das SGAP (SOFIA German Ambassador Program) freizustellen, meiner Frau Bianca Behnsen, die mich ermutigt hat, an dem Programm teilzunehmen und die mir während der Woche in Kalifornien den Rücken freihielt, Heinrich Baxmann für die stets zuverlässige Veröffentlichung dieser Tagebucheinträge auf unserer Homepage sowie den Kolleginnen und Kollegen, die mich während meiner Abwesenheit vertreten haben.

Über meine SOFIA-Reise wurde

Freitag, 21.09.2018:

Heute bin ich mit meinen Kollegen nach einem ausgiebigen Frühstück zu Joe Davies Heritage Airpark gefahren. Dort werden viele historisch bedeutende Militärflugzeuge ausgestellt. Unser Hauptinteresse galt aber einem der wenigen zivilen Exponate: Hier steht nämlich eine von zwei sogenannten Shuttle Carrier Aircrafts. Mit diesen Flugzeugen des Typs Boeing 747 wurden seinerzeit Space Shuttles nach Florida zurückgeführt, die aufgrund der Witterungsbedingungen nicht in Cape Canaveral landen konnten, sondern auf die Edwards Air Force Base oder White Sands in New Mexico ausweichen mussten.

An der Oberseite des Flugzeuges kann man deutlich die Halterungen erkennen, an denen damals die Space Shuttles montiert wurden. Bei ihrem ersten Einsatz 1991 transportierte sie das in Palmdale gebaute Space Shuttle Endeavour zum Kennedy Space Center in Florida. Heute dient das Flugzeug als Ersatzteillager für SOFIA.
Beeindruckend sahen auch die beiden massiven schwarzen strategischen Aufklärungsflugzeuge aus. Rechts sieht man eine Lockheed A12 Oxcart, links deren Nachfolger, die Lockheed SR 71 A Blackbird. Letztere Maschine erreichte Spitzengeschwindigkeiten von knapp Mach 3,4 und eine maximale Flughöhe von 26 km.
Am Abend kehrten wir noch einmal zu unserer gestrigen Beobachtungsstelle zurück, um ein weiteres Mal den Start von SOFIA zu beobachten. Auch heute startete sie mit absoluter Pünktlichkeit.

Am Ende des Tages wurde es schließlich Zeit, mit reichlich Wehmut die Koffer zu packen…

Donnerstag, 20.09.2018:

Auch heute musste ich mich nach der durchwachten Nacht erst einmal ausruhen. Vorher nahm ich aber im Hotel noch ein kleines Frühstück ein.

Am frühen Nachmittag fuhr unser Team dann ein letztes Mal zum AFRC, um Michael Hütwohl, den Leiter der amerikanischen Abteilung des DSI (Deutsches SOFIA Institut) zu treffen. Mit ihm sprachen wir u.a. über seine Arbeit und unsere Flüge auf SOFIA. Er erzählte uns dabei, dass die Weiter-Finanzierung des SOFIA-Projekts vor Kurzem vom amerikanischen Kongress genehmigt wurde.


Danach fuhren wir in die Wüste hinaus, um uns einen guten Beobachtungsstandort für den Start von SOFIA zu suchen. Schließlich standen wir in einem Wald aus Joshuatrees am Ende der Startbahn und warteten geduldig, bis die Maschine, mit der wir selbst in den beiden vergangenen Nächten geflogen waren, über uns hinwegdonnerte. Nach einem kleinen Abendessen trennt wir uns. Michael und Nicolai suchten sich noch einige gute Plätze für Nachtaufnahmen, Antje, Rolf und kehrten in unser Hotel zurück, um uns auf den wichtigsten Programmpunkt des Tages vorzubereiten: Unsere Skype-Konferenz mit unseren Schulen. Dazu möblierten Rolf und ich eines der Hotelzimmer komplett um und errichteten ein provisorisches Fernsehstudio.

Nachdem Rolf mit seinen Schülerinnen und Schülern gesprochen hatte, war ich an der Reihe. Christian Stein, Ayoub Chair und Dominik Werner aus dem zwölften Jahrgang bereiteten in Zusammenarbeit mit einem NDR-Fernsehteam die Konferenz auf Seiten der Bismarckschule vor. Gegen 00:20 PDT (UTC-7) bzw. 09:20 MESZ (UTC+2) stand die Leitung und die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a sowie der Astronomie AG stellten mir eine Stunde lang superspannende Fragen zu meiner Bewerbung auf das SGAP (SOFIA German Ambassador Program), meinen Flügen auf SOFIA und meinem Aufenthalt hier in Kalifornien. Ausschnitte dieser Konferenz werden voraussichtlich am kommenden Montag im NDR gezeigt werden. Danach war es für mich Zeit zu schlafen…

Mittwoch, 19.09.2018:

Heute stand der zweite Flug mit SOFIA an. Allerdings mussten wir uns noch vom ersten erholen: Da SOFIA als Sternwarte natürlich nur nachts fliegt, waren wir erst gegen 07:00 morgens wieder im Hotel. Ich nahm noch ein kleines Frühstück zu mir und schlief dann bis 12:00. Danach mussten noch einige Kleinigkeiten erledigt werden, bevor wir uns um 14:30 wieder in der Hotellobby trafen, um wieder zum AFRC zu fahren, wo auch heute um 17:00 das Flight Briefing, also die Besprechung des Flugplanes stattfand.

Danach bestiegen wir die Maschine. Vor dem Eingang machte ich noch schnell ein Selfie, dann schlossen sich die Türen. Um 18:20 wurden die Triebwerke gestartet, zwanzig Minuten später fuhr SOFIA zu ihrer Startposition. Das nennt man „Taxi“. Beim Start um 19:02 saß ich diesmal vorn in der Kabine und hatte eine hervorragende Sicht auf Palmdale. Man konnte gut sehen, dass diese Stadt mitten in der Wüste liegt.

Während des Fluges hatten wir Gelegenheit, mit einigen Wissenschaftlern zu sprechen. Ian Stephens vom Smithsonian Astrophysical Observatory untersucht beispielsweise die Rolle von Magnetfeldern in den Filamenten des Reflexionsnebels NGC1333, in dem zahlreiche massearme Sterne entstehen. Diese Untersuchungen sind vor allem deshalb so interessant, weil man davon ausgeht, dass unsere Sonne auf ähnliche Weise entstanden ist und wir durch diese Forschungen praktisch in unsere eigene Vergangenheit zurückblicken können. Nach diesen Gesprächen zog ich mich in den vorderen, abgedunkelten Bereich der Kabine zurück und genoss den grandiosen Ausblick auf den Nordpazifik aus 44025 ft Höhe (13.400 km).

Der Mond beleuchtete weit unter mir liegende Wolkenbänke und verwandelte den unwirtlichen Ozean mit seinem Silberlicht in eine Zauberlandschaft, über der die Sternbilder strahlten. Ein weiteres Highlight gegen Ende des Fluges war die Beobachtung des Planeten Neptun, der als Leitobjekt genutzt wurde. Auf unseren Bildschirmen konnten wir neben dem Planeten auch seinen größten Mond Triton sehen. Nach über zehn Stunden im Flieger war ich beseelt von all den Eindrücken, aber auch – ich will es nicht leugnen – etwas müde.

Dienstag, 18.09. 2018:

Heute war es endlich soweit: Mein erster Start mit SOFIA stand bevor. Tagsüber versorgten wir uns noch mit Lebensmitteln, da es an Bord nur Mineralwasserflaschen in einem Kühlschrank gibt. Zwei von uns waren schon am Morgen zum AFRC (Armstrong Flight Research Center) gefahren, um zu verfolgen, wie SOFIA aus ihrem Hangar gerollt wurde.

Um 14:30 trafen wir uns dann in der Hotellobby und fuhren zum AFRC. Dort fand um 17:55 das Mission Briefing statt, bei dem der Mission Director, die Piloten, Meteorologen, Wissenschaftler und Techniker über alle wichtigen Aspekte des Fluges berichteten. Danach gingen wir über das Flugfeld, machten noch einige Fotos für die Presse und betraten schließlich das Flugzeug. Die Türen schlossen um 18:50 und die Maschine startete minutiös pünktlich um 19:56. Für uns gibt es im Flugzeug die EPO-Konsole (Education and Public Outreach), an der immer drei Personen sitzen und arbeiten können.

Beim Start und bei der Landung dürfen darüber hinaus bis zu zwei von uns im Cockpit sitzen. Das waren in diesem Fall Nikolai und Rolf. Nachdem wir weit auf den Atlantik hinausgeflogen waren, begannen die Forscher mit ihrer Arbeit. Als besonders spannende Projekte standen bei diesem Flug unter anderem die Untersuchung des Sternentstehungsgebietes Serpens South und einer milchstraßenähnlichen Galaxie auf dem Programm. Während des Fluges, der eine Höhe von etwa 13.100 Meter erreichte, hatten wir Gelegenheit, mit den Forschern und Technikern zu sprechen. Zwei Frauen spielten bei dieser Mission eine zentrale Rolle: Liz Ruth war unsere Flugkapitänin und Sarah Peter war die für das Teleskop verantwortliche Ingenieurin. Bei der Landung war es mir vergönnt, im Cockpit zu sitzen und die Landung von dort aus zu erleben. Es war unfassbar zu sehen, wie die Piloten aus den Millionen Lichtern von Los Angeles und Palmdale die Befeuerung der Landebahn entdeckten und uns sicher wieder auf die Erde brachten. Nach fast zehn Flugstunden erreichten wir schließlich um 05:52 wieder das AFRC und kehrten müde, aber mit Tausenden von spannenden Eindrücken in unser Hotel zurück.

Montag, 17.09.2018

Heute war es endlich soweit, wir fuhren nach einem frühen Frühstück zum Armstrong Flight Research Center (AFRC), der Heimat von SOFIA. Nach einer gründlichen Einweisung und Passkontrolle erhielten wir einen Ausweis für das Gelände und betraten den Hangar 703, eine gewaltige Halle mit einer Grundfläche von 122 Meter Breite mal 201 Meter Länge!

An der Stirnseite befindet sich über die gesamte Breite eine Tür von 22 Metern Höhe. In dieser Halle wurden schon Szenen von „Fluch der Karibik“ und „Terminal“ gedreht. Wir betrachteten SOFIA von allen Seiten und betraten das Flugzeug dann schließlich. Fachkundig wurden uns Maschine und Teleskop erläutert. Wir durften dabei auch in das Cockpit.

Ein weiteres Highlight war es, dass der verantwortliche Techniker mich bat, das Messinstrument HAWK+, das gerade am Teleskop angeschlossen ist, anzuschalten, da der Hebel infolge der Drehung des Teleskops sehr weit nach oben geriet und ich von allen Anwesenden der Längste war… Anschließend erhielten wir dann ein ausführliches Sicherheitstraining, da es bei unseren Flügen kein Kabinenpersonal geben wird und wir uns in einem Notfall selbst helfen müssten. Im Verlaufe dieses Trainings hatte ich auch die Gelegenheit, verschiedene Gasmasken auszuprobieren. Danach wurden wir von mehreren Ingenieuren über die unterschiedlichen Messinstrumente, die an das Teleskop von SOFIA angeschlossen werden können, informiert. Nach über zehn Stunden in Hangar 703 verließen wir begeistert, aber auch etwas müde das Gelände und fiebern nun unserem ersten Mitflug entgegen…

Sonntag, 16.09.2018

Heute verbrachten wir den Vormittag am Santa Monica Beach, um uns noch einmal etwas zu erholen. Dann fuhren wir zum Griffith Observatory.

Diese Einrichtung dient der Vermittlung astronomischen Wissens. Sie wurde 1935 eröffnet und diente als Filmkulisse u.a. für „Transformers“ (2007) und LaLaLand (2017). Danach fuhren mit unseren Mietwagen zum etwa eine Stunde entfernten Palmdale, unserem eigentlichen Reiseziel. Den Abend verbrachten wir bei einem gemütlichen Abendessen mit drei Ingenieurinnen und einem Ingenieur, die für die Funktionalität des Teleskopes bzw. eines der Untersuchungsinstrumente verantwortlich sind. Dabei erhielten wir eine Menge interessante Informationen.

Samstag, 15.09.2018

Heute habe ich meine Reise nach Kalifornien begonnen. Vor knapp zwei Jahren hatte ich mich zusammen mit einem Team aus Laupheim bei Ulm auf das Lehrermitflugprogramm von SOFIA beworben. SOFIA steht für Stratosphären-Observarorium für Infrarot-Astronomie. Es handelt sich dabei um eine umgebaute Boeing 747 SP, in die im hinteren Rumpfteil ein großes Teleskop eingebaut wurde. Nachts fliegt SOFIA in die Stratosphäre auf bis zu 14,5 km Höhe und öffnet eine riesige Luke, um den Sternenhimmel für das darunter befindliche Teleskop freizugeben. Da SOFIAs Heimatflughafen Palmdale, Kalifornien ist, musste ich zunächst einmal dahinfliegen.


Meine Reise führte mich zunächst nach Frankfurt. Dort traf ich die anderen Mitglieder meines Teams. Das sind Rolf Stökler, Nikolai Prill, Michael Bischof und Antje Lischke-Weis, die beim Deutschen SOFIA Institut (DSI) arbeitet und uns betreut.
Anschließend reisten wir alle nach Los Angeles. Dieser Flug führte uns auch über Grönland, wo wir riesige Gletscher und Eisberge sahen.

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