Ein Morgen vor Lampedusa

11. Januar 2016 Ein Morgen vor Lampedusa

Lampedusa, was hat das denn mit uns zu tun, was da irgendeinen Morgen passiert ist?
Die Schüler des Seminarfachs „Menschenrechte – eine globale Verantwortung!?“ des 11. Jahrgangs haben mit dieser Lesung gleich zweimal versucht, eine Antwort darauf zu finden und zu geben.
Die Lesung der hannoverschen Projektgruppe „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ wurde geschrieben von Antonio Umberto Riccò als Reaktion auf die Tragödie, die sich am frühen Morgen des 3. Oktober 2013 vor der kleinen italienischen Insel Lampedusa ereignete. Ein Fischerboot mit über 500 Menschen an Bord kenterte kurz vor der Küste. 366 Menschen starben, Flüchtlinge vor allem aus Eritrea, Äthiopien, Somalia und Syrien. Was war geschehen und warum? Hätte man die Katastrophe verhindern können? Was erlebten die Flüchtenden? Wie versuchten Fischer, Touristen und Behörden zu helfen? Wer ist für die Toten verantwortlich? Und was hat sich seit der Katastrophe vom 3. Oktober 2013 geändert? – Eine berechtigte Frage, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Menschen seitdem immer wieder auf ihrer Flucht vor Krieg und Elend im Mittelmeer ertrunken sind und ertrinken.
Acht Schüler_innen haben zwei Erzählstimmen und viele Augenzeugenberichte, von Geflüchteten, Bewohner_innen von Lampedusa, Retter_innen und Politker_innen, eindrucksvoll vorgetragen. Unterstützt wurden sie dabei von zwei Mitschülern an der Technik, die durch Einblendungen auf der Leinwand dafür sorgten, dass das Publikum sehen konnte, wer gerade spricht, und die Musikstücke mit Bildern von Lampedusa und Geflüchteten unterlegten.

DSC_0819 Am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, hatten der 9. und 10. Jahrgang die Gelegenheit, die erste der beiden Lesungen zu erleben. Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt und dennoch war es ungewöhnlich still, während die Augenzeugen erzählten und die Erzählerinnen kommentierten. Die Zuhörer_innen waren sichtlich bewegt von dem, was ihnen da so unmittelbar präsentiert wurde. Auf einmal wurden die Zahlen, die immer wieder in den Nachrichten genannt werden, zu Menschen – Menschen wie sie selbst.
Im Anschluss fand ein Podiumsgespräch statt mit Herrn Rose vom Flüchtlingsrat Niedersachsen, ein Zusammenschluss von niedersächsischen Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die für den Schutz und eine menschenwürdige Lebensperspektive von Flüchtlingen und Migrant_innen mit prekärem Aufenthaltsrecht eintreten, und Herrn Peiler, der im Café S (= Solidarität) von Transition Town in der Beratung von Geflüchteten tätig ist. Sie gaben Auskunft über ihre Tätigkeit, die aktuelle Situation von Geflüchteten in Niedersachsen und Hannover und forderten die Schüler_innen dazu auf, sich auch aktiv zu beteiligen – im Sinne des Seminarfachtitels:  Menschenrechte sind etwas, das uns alle angeht, und wir stehen in der Verantwortung, diese zu leben und zu verteidigen – für andere und dadurch auch für uns selbst.
Um die emotional aufwühlende Lesung und die Anregungen durch das Podiumsgespräch in einen größeren Rahmen einzubetten, hatten alle Seminarfachschüler_innen sich intensiv zu zweit vorbereitet und die anschließende Doppelstunde mit den Klassen zu Schwerpunkten wie z.B. „Europa und die Flüchtlinge“, „Leben als Flüchtling in Deutschland“, „Warum fliehen Menschen?“ gestaltet.

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Die zweite Lesung fand am 16.12. öffentlich statt, die Aula war zu knapp zwei Dritteln mit interessiertem Publikum aller Altersklassen gefüllt. Erneut herrschte betroffene Stille angesichts der eindrücklich vorgetragenen Stimmen der Geflüchteten und der Retter.
Diesmal nahmen neben Herrn Peiler und dem Vorsitzenden des niedersächsischen Flüchtlingsrats, Herrn Weber, auch zwei Mütter von Seminarfachschülerinnen am Podiumsgespräch teil, die sich ehrenamtlich in der Arbeit mit Geflüchteten engagieren, sei es durch Deutschunterricht, die Begleitung zu Behörden, Ärzten, etc., oder auch die Aufnahme eines unbegleiteten minderjährigen geflüchteten Kindes.
An diesem Abend wurden 330 Euro gespendet (Eintritt war frei), die dem Flüchtlingswohnheim der Gemeinde am Döhrener Turm zugutekommen.

Für das Seminarfach Menschenrechte – eine globale Verantwortung!?:
Anke Synowzik

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