„Hakuna Matata“ – Besuch unserer Partnerschule Msafiri 2014 in Tansania

2. Juni 2014 „Hakuna Matata“ – Besuch unserer Partnerschule Msafiri 2014 in Tansania

Ja, auch ein paar Verwandte von Pumba, dem lustigen Warzenschwein aus König der Löwen, haben wir gesehen. Aber zurück auf Anfang. Wir, neun Schüler_innen der unesco-ag aus der Klasse 10b und Jahrgang 11 sowie unsere ehemalige stellvertretende Schulleiterin Frau Schibel und Frau Synowzik, machten uns kurz vor den Osterferien von Hannover aus auf, um unsere Partnerschule, die Msafiri English Medium Pre & Primary School, in Kisangara, Tansania – nicht unweit vom Kilimanjaro – zu besuchen. Lange hatten wir auf diese Reise hingearbeitet, viele tolle Spenden gesammelt und Unterricht und Aktionen mit den Schüler_innen vor Ort vorbereitet.

28 Schulbücher inventarisieren - Tansania 2014 565

DANKE an all die zahlreichen Spender von Geld, Laptops, Handys, Fußballschuhen, Kleidung, Schreibwaren, usw. Alles wurde an die Kinder und vielen Mitarbeiter_innen der Schule verteilt, alle haben sich riesig gefreut.

Mitten in der Nacht kamen wir an, schon müde von der langen Reise, erschlagen von der „feuchten Wand“, die uns beim Aussteigen aus dem Flugzeug empfing. Und da erwarteten uns – mitten im Nirgendwo – ein Imbiss und ein Empfangskomitee, die uns einen ersten Eindruck von der überwältigenden Gastfreundschaft, die wir unsere ganze Reise über erfuhren, vermittelten. Mit Taschenlampen wurden wir zu unseren Häuschen gebracht, denn – wie wir es noch das eine oder andere Mal erleben sollten – der Strom war ausgefallen. Nachdem wir uns Sonntag (unter Moskitonetzen) richtig ausgeschlafen und gegessen hatten, und nach einem Rundgang über das Schulgelände, wurde uns die erste von drei Ziegen geschenkt, deren Schlachtung sich dann auch alle  bis auf zwei anschauten – das erste sicher „unvergessliche“ Erlebnis, dem noch viele – schönere –  folgen sollten. Auf dem Markt in Kisangara haben wir uns dann alle mit wunderschönen bunten afrikanischen Stoffen eingedeckt, denn der Schneider war für den nächsten Tag angekündigt. Abends stieg das Willkommens-Barbecue – mit der mittags geschlachteten Ziege.

Am Montag erfuhren wir dann, dass eigentlich schon Ferien sind, aber die 5. Klasse und die „Bismarck-Patenkinder“ extra für uns dageblieben sind, inklusive der sie betreuenden Lehrkräfte, Teachers Philip und Flora. Hier unvorstellbar … Nach einer kleinen Feierstunde ging es erstmal ans Kennenlernen bei Fußball, Spielen und Scoobidoo- und Freundschaftsbänder knüpfen. Die Fröhlichkeit der Kinder war ansteckend, es war ein schöner Nachmittag. Bei der Feierstunde haben wir auch ganz offiziell einen symbolischen Spendenscheck in Höhe von 15000€ überreicht (hauptsächlich durch den Run for help im September 2013 erlaufen). Davon soll ein neues Computergebäude gebaut werden, das inzwischen schon fast fertig ist und neben der Karin-Schibel-Bibliothek stehen wird, die wir im letzten Jahr maßgeblich mitfinanziert haben.

6 - acht der zehn Bismarck-Patenkinder Tansania 2014 1182

Gleich am nächsten Tag ging es dann „zur Sache“: Vormittags stellten die Bismärcker den Kindern Hannover, die Bismarckschule, ihren Schulalltag  und die Jahreszeiten – unser Projektthema – vor und erfuhren auch viel von den Kindern über ihren eigenen Alltag. Dabei kamen dann gleich ein paar von den gesponserten Laptops, die Herr Moch auf Vordermann gebracht hatte, zum Einsatz. Nachmittags starteten die Bastelprojekte zum Thema. Aus den Weihnachtssternen und Osterdekorationen aus Tonkarton wurden dann allerdings ganz viele andere sehr kreative Basteleien, und die Laternen und Drachen nahmen Gestalt an. Auf jeden Fall hat es allen viel Spaß gemacht. Gut, dass wir so viel Papier, Kleber, Scheren und anderes Bastelmaterial dabei hatten.

3 Laternenumzug Tansania 2014 1154

Mittwoch (2.4.) haben wir den Kindern dann zwei Lieder zum Laternesingen beigebracht, und wir lernten zwei tansanische Lieder, eines zur Flagge und den Kilimanjaro Song, der ursprünglich aus Kenia kommt (bei youtube Djambo Bwana eingeben):

 

Djambo Grußformel

Djambo Bwana respektvolle Anrede

Habari gani Wie geht es?

Mzuri Sana Danke, sehr gut

Wageni Fremde

Mwakaribishwa Ihr seid willkommen

Kilimanjaro (hier kann man alles einsetzen 😉

Hakuna matata Es gibt keine Probleme/ Schwierigkeiten

Danach besuchten wir die One World Secondary School, die weiterführende Schule in direkter Nachbarschaft, die vom ehemaligen Bundeskoordinator der Unesco-Projektschulen, Herrn Köhler, geleitet wird, und nahmen an einer Unterrichtsdebatte zum Thema „Education is better than money“ teil. Mit den etwa gleichaltrigen Schüler_innen wurden dann auch lebhaft Argumente und später Email- oder Facebook-Adressen ausgetauscht. Bevor wir dann abends mit den Laternen zum „Martinssingen“ über das Schulgelände zogen, lernten wir auch noch verschiedene Tanzschritte zu mitreißender Musik – selbst unsere Jungs hielt es nicht auf der Bank. Tanzen und Singen haben uns ein tolles Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Am Tag darauf durften wir uns dann kurze Zeit wie Honoratioren des Ortes fühlen: Wir haben Baumsetzlinge gepflanzt, und damit es für uns nicht zu anstrengend wird, war das Loch schon gebuddelt, stand der Setzling griffbereit, und auch ein Eimer Wasser fehlte nicht. Dann ging es in den nächstgrößeren Ort, Mwanga, wo wir über den Markt schlenderten und die vielen z.T. fremden Waren, Gerüche und Farben aufsogen. Nachmittags war dann gemeinsames Kochen angesagt. Wir haben gelernt, wie man Mandasi (eine halbe Faust große frittierte Hefeküchlein) und Chapati (ähnlich wie Tortilla Wraps) zubereitet. Und alle haben fleißig Teig geknetet. Lecker!

Freitag konnten die Kinder dann endlich in die Ferien fahren, und wir haben einen Ausflug ins zwei Stunden entfernte Moshi unternommen, um Souvenirs und Kaffee direkt ab Fabrik zu kaufen. Hier gab es auch einen modernen Supermarkt, wir erlebten städtisches Leben und aßen in einem indischen Restaurant (durch die englische Kolonialzeit sind damals viele Inder nach Ostafrika gekommen).

Samstag ging es schließlich mit Michael, dem Bruder der Schulgründerin von Msafiri, Grace Mngara, in deren Heimatort Gonja in den Parebergen. Die Fahrt in Geländewagen mit Allradantrieb war ein Abenteuer für sich, doch wir wurden für die Holperei reichlich entlohnt. Der Blick auf die Landschaft am Fuß der Berge und das fruchtbare, grüne Paradies, in das wir da oben nach der Kletterei auf einem schmalen Pfad eintauchten, waren unvergleichlich. Und Zähne putzen draußen am Bach im Garten – das hatte auch noch keiner vorher gemacht. Hinterm Haus wuchsen Bananen, Papaya, Jackfruit, Zuckerrohr, Tomaten, Zitronengras, Avocados, Pfefferminze, Kaffee, Tee, Tabak, Ingwer, Bohnen, Auberginen, Cassava, Yam, Möhren, Chili, usw. Wow!

10 Blick in die Ebene von Gonja aus Tansania 2014 1374

Ein weiteres Highlight war dann der Gottesdienst am nächsten Morgen, der nach über zwei Stunden noch lange ohne uns weiterging – man hatte sich eigentlich schon unseretwegen kurz gehalten. Wir haben zwar nichts verstanden, denn keiner von uns spricht Kisuaheli, aber der Gesang der drei Chöre mit entsprechenden Tanzschritten war beeindruckend. Da Michael uns am Abend vorher mit der Tatsache konfrontierte, dass von uns auch ein Liedbeitrag erwartet würde, fügten wir uns in unser Schicksal und stimmten „Vom Aufgang der Sonne“ an, sogar als Kanon – und wurden freundlich beklatscht. Im Anschluss waren wir beim Schulleiter von Msafiri, Herrn Sengasu, zum Essen eingeladen, alle elf!

25 Löwe - Ngorongoro Tansania 2014 455

Ziemlich früh mussten wir Montag aufstehen – Heia Safari! Von Arusha aus, drei Stunden von Kisangara entfernt, ging es mit GofaN in drei verschiedene Nationalparks (Tarangire, Lake Manyara und Ngorongoro Krater), die jeder ihren ganz eigenen Charakter haben. Es war einfach nur wahnsinnig beeindruckend. Elefanten, Zebras, Gnus, Wasserbüffel, Nilpferde, Nashörner, Löwen, Hyänen, Schakale, Paviane, Antilopen, Ibisse, Störche, Strauße, Kraniche und natürlich …. Pumbas 😉 All diese Tiere so hautnah und z.T. in riesigen Herden zu sehen, unvergesslich. Übernachtet wurde auf Campingplätzen, und in der zweiten Nacht haben Hyänen dann auch noch Carlas und Frau Synowziks Flipflops geklaut – meinten jedenfalls unsere Guides.Auch Patrick, unser Koch, darf nicht unerwähnt bleiben, er hat uns die drei Tage mit Lunchpaketen und Drei-Gänge-Menüs unglaublich verwöhnt.

24 Zebras - Ngorongoro Tansania 2014 416

Am Donnerstag (10.4.) wartete dann wieder „Arbeit“ auf die Bismarckschüler_innen: Die Schulbücher, die von den bar mitgenommenen Spenden- und Eintrittsgeldern (Bismarck sucht den Superstar, Wir rocken für Tansania, Tag der offenen Tür) – 1300€ – vor Ort gekauft wurden, sollten gestempelt und inventarisiert werden. Ruckzuck hatten sich alle organisiert und die Arbeit war erledigt, so dass es zu Paolo Msangi, dem Schatzmeister der Schule, zum Essen gehen konnte.  Die Gastfreundschaft nahm aber auch hier noch kein Ende, denn auch Flora, eine der Lehrkräfte, die sich die ganze Zeit um die Msafiri-Kinder und uns gekümmert haben, lud uns alle abends zum Essen ein. Und das, obwohl sie in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt, da sie als Alleinverdienerin für ihre fünf Kinder verantwortlich ist. Wir haben sogar noch Gastgeschenke bekommen!

Den darauffolgenden Tag besuchten wir ein sehr interessantes Landwirtschaftsprojekt der Nichtregierungsorganisation MIFIPRO, das u.a. George Madundo, Mitglied im Schulvorstand, leitet. Dafür mussten wir über die Berge fahren, was wieder mehr als abenteuerlich war, auf schmalen, unbefestigten, sich am Berghang entlang schlängelnden Straßen, um dann schließlich in den Lowlands einen Eindruck vom sehr einfachen ländlichen Leben der dortigen Bevölkerung zu bekommen. Und – wen wundert es noch – wieder waren wir zum Essen eingeladen, diesmal natürlich von George. Leider ging es einem von uns den Tag gar nicht gut, so dass er bei George auf uns wartete, während wir im Büro von Mifipro mehr über die Arbeit der Organisation erfuhren.

Und dann kam der Regen. Wir waren ja in der Regenzeit dort, aber bis dahin gab es, wenn überhaupt auch eher nachts, nur mal kurze Schauer. Jetzt schüttete es wie aus Eimern, ganz dem Klischee entsprechend, und im Nu waren die Straßen überschwemmt. Gut, dass es einen Weg zurück um die Berge herum gab. Der Regen … Der war dann auch hauptverantwortlich dafür, dass die letzten Tage so ganz anders verliefen als geplant.

18 Kilimanjaro bei Moshi Tansania 2014 028

Da es Sonntag für die restlichen drei Tage nach Bagamoyo an den Indischen Ozean gehen sollte, war Samstag viel los. Wir mussten packen – auch die zahlreichen Gastgeschenke (Basttaschen, Rohrzucker, Kaffee, Zitronengras, Meersalz, Ingwer, …) und Souvenirs mussten ja mit – , die geschneiderten Kleider anprobieren und es gab ein langes Abschiedsessen mit allen, die zur Schule gehören. Dafür musste dann auch die dritte Ziege zu unseren Ehren dran glauben. (Die zweite hatte der Bauherr des Computergebäudes als Dank für den Auftrag gestiftet.) Natürlich kann solch ein Abschiedsessen nicht ohne diverse Reden vonstattengehen, in denen man sich gegenseitig der Partner- und Freundschaft versichert und für die Spenden, Gastfreundschaft und Geschenke bedankt. Jeder von uns bekam noch eine Urkunde über die erfolgreiche Arbeit an der Schule, und die Bismarckschule bekam eine Urkunde über die inzwischen 10jährige Partnerschaft, nicht unähnlich der, die wir am Anfang überreicht hatten.

Doch dann sollte also alles anders kommen, denn abends wurde uns von überschwemmten Straßen und Verkehrschaos rund um Dar es Salaam berichtet. Der Einsturz einer Brücke zwischen Dar und Bagamoyo machte dann unseren Besuch in der Hauptstadt des kolonialen Deutsch-Ostafrikas unmöglich. Auch die Buslinie von Kisangara nach Dar es Salaam hatte den Betrieb eingestellt – wie sollten wir jetzt unseren Rückflug, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch von dort gehen sollte, erreichen? Wir hofften erstmal auf Wetterberuhigung, sagten Bagamoyo schweren Herzens ab und gingen zutiefst enttäuscht und ratlos schlafen.

Sonntag vertrieben sich ein paar die Zeit damit, noch einmal zu Fuß auf den Markt in Kisangara zu gehen, etwa 2km vom Schulgelände entfernt. Zurückgekehrt, gab es dann plötzlich große Aufregung. Eins unserer Mädchen hatte bei einem übermütigen Sprung die Höhe des Türrahmens überschätzt und saß nun blutüberströmt und geschockt mit einer dicken Kopfwunde auf ihrer Veranda. Schnell wurde sie zur Krankenstation in Mwanga gefahren, mit drei Stichen musste unser Pechvogel versorgt werden. Die ohnehin nicht mehr ganz so fröhliche Stimmung wurde besorgter, aber sie hatte wohl doch noch Glück im Unglück und nicht einmal eine Gehirnerschütterung.

So konnten die anderen dann den Montag auch noch einmal zur Ablenkung nach Moshi fahren, um restliche Souvenirs zu besorgen, die eigentlich in Bagamoyo gekauft werden sollten. Nachmittags entschwanden dann Grace, Frau Schibel und Frau Synowzik, um die Rückreise irgendwie zu klären.  Da gab es noch einmal ein paar dramatische Momente, aber pole pole – langsam, ganz in Ruhe – fand sich eine Lösung für alles. Schließlich flogen wir Dienstagabend vom nahe gelegenen Kilimanjaro Airport nach Dar es Salaam. Unsere neun Zweitkoffer begleitete Hassani, Hausmeister und „Mädchen für alles“ per Bus – der fuhr nämlich dann doch wieder ab Dienstag bis nach Dar. So löste sich alles in Wohlgefallen auf und wir kamen wohlbehalten mitsamt Gepäck am Mittwochnachmittag in Hannover an, wo uns die Eltern freudig in Empfang nahmen. Aus den ersten sprudelten gleich die Erlebnisse und Eindrücke heraus, andere mussten sich erst wieder an das Gefühl gewöhnen wieder Zuhause zu sein. Bestimmt wurden noch tagelang Fotos geguckt und erzählt.

13 Gruppenfoto in Gonja Tansania 2014 1791

Demnächst wird es auch einen tollen Film zu unserer Reise und der Partnerschaft geben, den Lennart herstellt, und zu dem man dann über die Schulhomepage gelangt. Wir hatten jedenfalls eine wundervolle Zeit, voller beeindruckender Erfahrungen, und bestimmt wird der eine oder die andere wieder nach Tansania reisen, wissend, dass sie mit einem warmen Karibu willkommen geheißen würden.

Asante sana an alle, die diese Reise möglich gemacht und für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis haben werden lassen.

Anke Synowzik

Weitere Eindrücke der Reise:

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