„I want to feed you Africa“ – Mit der Unesco-AG in Tansania

30. November 2012

 

– Ein Reisebericht von Judith Goetsch –

Bei unserer Ankunft am 18.März 2012 an der „Msafiri English Pre- and Primary School“ waren die vielen Eindrücke kaum aufzunehmen. Nachdem wir stundenlang nur das Innere von Flugzeugen und Flughafengebäuden gesehen hatten, war es schwer zu begreifen, dass man sich jetzt auf einem anderen Kontinent befand und dort angekommen war, worauf man in den vergangenen Monaten bzw. sogar Jahren hingearbeitet und worauf man sich eine lange Zeit gefreut hatte. Wir wurden sehr herzlich von der Schulgründerin Grace Mgara begrüßt und auch von allen anderen sofort freundlich aufgenommen.In den ersten Tagen kehrte schnell ein heimatliches Gefühl ein, sobald man sich an die fremde Umgebung gewöhnt hatte.

Gleich zu Beginn unseres Aufenthalts wurden die vorbereiteten Unterrichtsstunden durchgeführt. Los ging es mit Theaterübungen mit den Schülern der siebten Klasse, die zunächst etwas zurückhaltend, dann aber mit immer mehr Einsatzbereitschaft und Neugier an die verschiedenen Herausforderungen herangingen und gemeinsam etwas Neues erlebten. Es war schön nun mit den Kindern zum ersten Mal in näheren Kontakt zu treten und etwas von ihnen und über sie zu lernen. Im 6. Jahrgang stellten wir die Stadt Hannover ein wenig vor, danach formten die Kinder aus Fimo kleine Figuren, dabei kamen sehr unterschiedliche und einfallsreiche Ergebnisse heraus. Zum Ende dieser Stunden teilten wir die Umfragebögen zu unseren in der UNESCO-AG erdachten und erarbeiteten Hauptprojekten Musik und Kochen aus.

Am Dienstag, den 20.3. verließen wir dann zum ersten Mal Kisangara, um Grace‘ Bruder Michael Mgara und seine Tochter Frida, im vier Stunden entfernten Gonja zu besuchen. Die Fahrt dorthin führte durch die Berge und war dementsprechend holprig, doch man konnte einmal wieder die wunderschöne Landschaft bewundern. Dort angekommmen unternahmen wir einen langen Spaziergang in der gleißenden Sonne, besuchten die Gemeinde der Familie und kühlten uns im fließenden, kalten Wasser zwischen zerklüfteten Felsen mitten im eindrucksvollen Dickicht die Füße. Die Nacht verbrachten wir in Gonja, erst am folgenden Tag ging es zurück über die Berge nach Kisangara.

Am Donnerstag besuchten wir eine Secondary School in Mwanga und bekamen die Möglichkeit, uns mit tansanischen Schülern unseres Alters auszutauschen. Zunächst waren alle ein bisschen schüchtern, doch als wir uns an die Tische verteilten, lockerte sich die Situation und es kamen auf beiden Seiten viele Fragenauf und man konnte eine Menge erfahren. Später am Tag führte uns Paolo Msangi, der an der Msafiri School für die Finanzen zuständig ist, in seiner Heimatgegend herum und lud uns zum Essen ein.

Nachdem am Freitag, den 23.3. die Fragebögen für das Musik-, bzw. das Kochprojekt ausgewertet waren, haben wir mit den Kindern der 6. Klasse einige Lieder gesungen, was wirklich ein tolles Erlebnis war, bei dem man das starke Zusammengehörigkeitsgefühl deutlich spüren konnte.

Am folgenden Tag statteten wir George Madundo einen Besuch ab, der an der Msafiri School im Schulrat beschäftigt ist. Er stellte uns seine Organisation „MIFIPRO“ vor, deren Aufgabe es ist, die Landwirtschaft im Gebiet zu unterstützen und besonders den Landwirten unter die Arme zu greifen und ihnen professionelle Tipps zu geben. Die Arbeit eines der vielen Projekte haben wir in Aktion beobachten dürfen. Sehr interessant war für uns die Information, dass den Arbeitern der Lohn in Essen ausgezahlt wird, ein Prinzip, das den Namen „Work for Food“ trägt.

Ein spannendes Erlebnis dieses Tages war auch die anschließende kurze Fahrt auf den „Lake Jipe“, der Tansania und Kenia an dieser Stelle voneinander trennt. In der Hitze unter wolkenfreiem Himmel befanden wir uns für einen Moment also genau zwischen den beiden Ländern.

Am Sonntag, den 25.3. nahmen wir zunächst an einem Gottesdienst in einer evangelischen Kirche nahe der Schule teil der ausschließlich auf Kisuaheli abgehalten wurde. Dementsprechend konnten wir nichts verstehen, doch war es interessant zu sehen, wie stark gestikulierend und mit welcher körperlichen Präsenz und Ausdruckskraft der Pastor den Gottesdienst abhielt.

Danach haben wir mit allen Kindern der Schule den großen Teil des Tages verschiedene Spiele gespielt, dazu gehörten zum Beispiel „Der Plumpssack geht um“ und „Fisherman, fisherman, how deep is the water?“, aber auch Spiele, die wir nicht kannten und die uns die Kinder beigebracht haben. Was natürlich auch nicht fehlen durfte: Fußball! Die von uns mitgebrachten Bälle kamen vor allem bei den Jungs super an und so wurde ausgiebig und mit Spaß gespielt. Montag brachen wir dann zur Safari auf, es war der Beginn einer wirklich spannenden Erfahrung. Wir sahen in drei unterschiedlichen Nationalparks unter anderem vier der sogenannten „Big Five“ (Löwe, Büffel, Elefant, Nashorn, Leopard). Letzteren, den Leopard konnten wir leider nicht entdecken. Die Guides erzählten uns eine Menge über alle Tiere, die wir sahen, beispielsweise über die feinen Unterschiede zwischen den Antilopen-Arten.

Abends fanden wir uns auf ganz gewöhnlichen Campingplätzen ein, dort begegneten wir anderen reisenden Europäern und kamen mit einigen ins Gespräch. Am Mittwoch, den 28.3. fuhren wir dann über Arusha zurück nach Kisangara. Den folgenden Tag verbrachten wir mit dem Shopping von Mitbringseln im nur eine Stunde Autofahrt entfernten Moshi und einem Besuch bei Helen, auch sie arbeitet an der Msafiri. Wir wurden von ihr bei sich zu Hause zum Essen eingeladen und sahen, wie Menschen in einfachen Verhältnissen in Tansania leben. Am Abend fand zurück in der Partnerschule eine Filmvorführung des Films „Madagascar“ für alle Kinder statt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktionierte der neu erstandene Fernseher zu unserer Erleichterung schließlich doch. Unglücklicherweise gab es nach etwa zwei Dritteln des Films einen Stromausfall, trotz diesem Zwischenfall war die Freude über die neue Anschaffung groß und nicht zu stoppen.

Freitag, der 30.3. war unser letzter Tag letzter Tag an der „Msafiri English Pre- and Primary School“, ein Ort der sich inzwischen anfühlte wie ein Zuhause, zu dem man zurückkehren konnte. Symbolisch eröffneten wir die aus dem Spendengeld von Eltern und Schülern der Bismarckschule finanzierten neuen Toilettenräume, sowie den gespendeten Wassertank und das Gebäude für die jüngsten Schulkinder. Außerdem bereiteten wir deutsche Speisen zu, ein Teil unseres Kochprojekts vor Ort. Abgerundet wurde der Tag von einer großen Feier, an der alle teilnahmen: die Kinder zeigten uns akrobatische Übungen, traditionelle Tänze und sangen Lieder für uns, ein rührendes Erlebnis. Auch wir hatten einen kleinen Programmpunkt vorbereitet: Im Gegenzug stimmten wir „Heo, spann den Wagen an“ und „Viel Glück und viel Segen“ an, zwei Lieder, die auch im von uns erstellten und mitgebrachten Liederbuch vorhanden sind. Außerdem erhielten Frau Schibel und Herr Schulze-Brüggemann Zertifikate für ihre langjährige Zusammenarbeit mit der Msafiri Pre, wir überreichten ebenfalls ein Dokument anlässlich zur Feier unserer seit acht Jahren erfolgreich bestehenden Partnerschaft. Während der Feier wurde zudem auch eine der beiden Volontärinnen verabschiedet.

Am Samstag reisten wir also mit gemischten Gefühlen aus Kisangara ab, um die letzten Tage unserer Reise in Bagamoyo zu verbringen, ein Ort sieben Stunden Fahrt weiter südlich. Den Weg bewältigten wir getrennt: ein Teil der Gruppe mit dem Auto, der andere mit dem öffentlichen Bus. Dort bewohnten wir Bungalows einer Traveller‘s Lodge direkt am Strand des Indischen Ozeans. So genossen wir die letzten Tage am Meer, machten eine Führung durch den Ort und besuchten eine Universität für Musik und Theater.

Am 3.4. ging am Abend unser Flug nach Nairobi, von da aus verließen wir über Nacht den Kontinent Afrika und landeten am Morgen des 4.4. in Amsterdam. Die letzte Etappe, der einstündige Flug nach Hannover, kam uns dann vor wie ein Katzensprung. Es war ein seltsames Gefühl wieder in Europa zu sein, noch völlig überwältigt von der Summe an Eindrücken, die wir in diesem für die meisten bisher fremden Land gesammelt hatten.

Auch wenn schon mehr als zwei Monate seit unserer Rückreise vergangen sind, ist doch sicher, dass wir alle eine Erfahrung gemacht haben, die wir nicht vergessen werden. Der Kontakt zur „Msafiri English Pre- and Primary School“ wird auch weiterhin bestehen und alle zwei Jahre von Neuem die Leute begeistern, die das Privileg haben dieses besondere Land mit seinen großartigen Menschen besuchen zu dürfen.

 

 

 

 

 

 

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