„Bad Nenndorf ist bunt“ – Bündnis gegen Rechtsextremismus

18. Februar 2014 „Bad Nenndorf ist bunt“ – Bündnis gegen Rechtsextremismus

Über die Schwierigkeiten mit dem Umgang mit Rechtsradikalen berichteten am Montag, den 10. Februar, zwei Vertreter des Vereins „Bad Nenndorf ist bunt“ im Geschichtsleistungskurs von Frau Funke-Bräuer: 

Nach einem kurzen Einstiegsfilm, der die Naziaufmärsche, welche immer Anfang August in Bad Nenndorf stattfinden, dokumentierte, erläuterten Jürgen Uebel und Steffen Holz, dass die Nazis, nachdem ihre Aufmärsche in Wunsiedel in Oberfranken verboten wurden, einen Ort suchten um sich bundesweit zu „treffen“.

Bad Nenndorf ist bunt Kurs Referenten

Bad Nenndorf wurde von der rechten Szene gewählt, weil im dortigen Wincklerbad unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die britischen Rheinarmee ein Verhörzentrum betrieb. Hier wurden u.a. ehemaligen Funktionären der NSDAP interniert und verhört. Als Internierte im Frühjahr 1947 in das Lager Fallingbostel verlegt wurden, sickerte durch, dass in Bad Nenndorf katastrophale Zustände herrschten. Wenig später wurde das Internierungslager geschlossen. Mit diesem vorgeschobenen Anlass veranstaltet eine nicht eingetragene Organisation aus der rechtsextremen Szene seit 2006 sogenannte „Trauermärsche“ durch Bad Nenndorf zum Wincklerbad, um an die „Opfer des alliierten Folterlagers im Wincklerbad zu erinnern.

Herr Uebel und Herr Holz berichteten, dass die Bevölkerung zuerst auf die Aufmärsche mit dem Hinweis „das verläuft sich von selbst, man darf das gar nicht so hochhängen, denn das wäre schlechte PR für den Kurort“ reagierten, aber als 2009 bekannt wurde, dass die Organisatoren bereits bis 2030 diese Demonstrationen angemeldet haben, formierte sich langsam Widerstand der Nenndorfer Bürger gegen die Naziaufmärsche. Zwar stieg bis zum Jahr 2010 die Anzahl der rechtsextremen Demonstranten, aber auch die Anzahl der Gegendemonstranten stieg an. Herr Uebel und Herr Holz verwiesen auf die Szenen in dem Film, in denen man sieht, dass die Nazis durch Bad Nenndorf marschiert, aber die Bad Nenndorfer an diesem Weg friedlich bunte Partys mit entsprechenden Transparenten feiern, auch erklingt laut das „Schlumpfenlied“ („Wo kommt ihr denn her…“). Diese Aktionen gefallen den rechten „Aufmärschlern“ gar nicht und es fällt ihnen offensichtlich schwer, friedlich zu bleiben.

Die Schüler und Schülerinnen nutzten die Gelegenheit und stellten viele Fragen zur Entwicklung dieser Widerstandsform, zu der Problematik von Gedenken im öffentlichen Raum, zu dem NSU-Morden und dem geplanten NPD-Verbot. Die Schüler und Schülerinnen wollten auch wissen, ob sich der Verein auflöst, wenn es keine rechten Aufmärsche in Bad Nenndorf mehr gäbe. Hier erzählte Herr Uebel, dass die Stadt Wunsiedel die Erfahrung gemacht hat, dass es schnell erneut zu Aufmärschen kommen kann. Um das Aufkommen von Nazimärschen und -demonstrationen zu verhindern ist die Vernetzung des Vereins mit der lokalen Politik und Öffentlichkeitsarbeit z.B. in Schulen notwendig, um deutlich zu machen, dass die Rechtsextremen soziale Ungleichheiten der Gesellschaft nutzen, um ihre Lösungen anzupreisen. So ist in einer pluralistischen Gesellschaft das Anbieten solcher Lösungen zwar rechtlich möglich, aber es sollte erkannt werden, dass die Rechtsextremen keine wirklichen Lösungen gesellschaftlicher Probleme anbieten, sondern nur Parolen.

 Martina Funke-Bräuer

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