Lisses Reise zu den eigenen Wurzeln – Eine Roadnovel von Hannover über Berlin in den Osten Deutschlands

19. Januar 2020 Lisses Reise zu den eigenen Wurzeln – Eine Roadnovel von Hannover über Berlin in den Osten Deutschlands

Wie muss man sich eigentlich eine richtige Autorin vorstellen? Die Klassen der Jahrgänge 5 und 6 hatten die Chance, eine kennenzulernen. Aus ihrem Roman „Woher ich meine Sommersprossen habe“ las Autorin Nikola Huppertz in insgesamt drei Lesungen vor knapp 200 Schülerinnen und Schülern der Bismarckschule vor.

Um die sechzig Schülerinnen und Schüler warten am Freitag gespannt auf die insgesamt dritte Lesung, nur wenige flüstern – und dabei hat es noch gar nicht zum Stundenbeginn geklingelt! Das kommt selten vor. Aber heute steht das Kennenlernen einer echten Autorin auf dem Stundenplan – und einige der jungen Zuhörer kennen sie sogar schon aus ihrem Deutschunterricht in der Grundschule: Die Hannoveraner Schriftstellerin Nikola Huppertz kommt zu Besuch an die Bismarckschule und liest aus ihrem Roman „Woher ich meine Sommersprossen habe“ vor. Diese Chance erhalten die Schülerinnen und Schüler auch mit finanzieller Unterstützung des Friedrich-Bödeker-Kreises e.V., der ebenso Autorinnen und Autoren an Schulen vermittelt.

Mitreißend und spannend, aber alles andere leicht verdauliche Kost, hat die Hannoveranerin ihrem jungen Publikum mitgebracht – und das lässt die Fünft- und Sechstklässler bereits zu Beginn jeder Lesung gespannt zuhören, geht es doch um die großen Themen der Literatur: Tod und Trauer, Liebe und Freundschaft und die große Frage, wer wir eigentlich sind. 

Letzteres fragt sich auch die zwölfjährige Protagonistin Lisse. Als das Mädchen aus Hannover erfährt, dass ihr leiblicher Vater Markus, den sie nie kennengelernt hat, bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, weiß sie nicht, wie und was sie fühlen soll. Gemeinsam mit ihrer Mutter Solveig begibt sie sich spontan auf eine Reise nach Berlin, wo sich ihre Eltern kennengelernt haben. Aber die Hauptstadt soll nur die erste vieler Stationen sein, die Lisse in diesem Sommer nach und nach zu ihren eigenen Wurzeln und zu den großen Fragen des Erwachsenwerdens führt.

Ein Roman, der reichlich Gesprächsstoff bot und zum Nachdenken und Austausch anregt – so bestand nicht nur am Ende der Lesung reichlich Gesprächsbedarf, sondern schon während den einzelnen Leseblöcken, die Huppertz mit anschaulichem Bildmaterial ergänzte. Gemeinsam mit ihrer jungen Zuhörerschaft erkundete die Autorin in behutsamer Weise Hintergründe, Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten und ließ viel Raum für individuelle Lesereindrücke und -interpretationen. 

Am Ende der Lesung gab es Zeit für all die Fragen, die den Schülerinnen und Schülern so dringend unter den Nägeln brannten; zum Beispiel: „Wann haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben?“ „Ab welchem Alter darf man Bücher veröffentlichen?“, wollte Charlotte (6a) wissen. Und Bennett (6a) interessierte, wie Huppertz überhaupt auf all ihre Ideen kommt. Auf die Frage, ob es denn auch Vorbilder gebe, empfahl die Autorin neben dem niederländischen Kinder- und Jugendbuchautor Guus Kuijer („Das Buch von allen Dingen“, „Ein himmlischer Platz“) die Romane der Autorinnen Mirjam Pressler und Kirsten Boie – für alle diejenigen Zuhörerinnen und Zuhörer, die noch auf der Suche nach neuem Lesestoff sind. Aber sogar über literaturtheoretische Fragen dachten die jungen Zuhörer nach, so beispielsweise Bennett (6a), den das Verhältnis von Realität und Fiktion, „echtem“ Leben und Fantasie interessierte. 

Durch Huppertz einfühlsame und empathische Weise, ihre Fähigkeit, die junge Zuhörerschaft kontinuierlich mit einzubeziehen und Lisses Geschichte auch zu ihrer eigenen Geschichte zu machen, wurde der Lesungsvormittag zu einem eindrücklichen und ganz besonderen Leseerlebnis. 

Christine Eichenberg 

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