Tansania 2020

11. Mai 2020 Tansania 2020

Ende Februar war es endlich wieder soweit: Wir, 16 Schülerinnen und Schüler der UNESCO- AG aus den Jahrgängen 10, 11 und 12, begleitet von unseren Lehrerinnen Frau Deniz und Frau Günther, begaben uns auf eine aufregende Reise nach Tansania. Grund dafür ist selbstverständlich unsere enge Partnerschaft zur Msafiri English Medium Pre & Primary School, gelegen in Kisangara- einem kleinen Ort im Nordosten des Landes in der Nähe des Kilimanjaro. Während unseres fast dreiwöchigen Aufenthalts haben wir alle jede Menge interessante Eindrücke sammeln können, über die ihr hier mehr erfahren werdet.

Das Land Tansania

Steigen wir zunächst einmal mit ein paar grundlegenden Informationen ein. Tansania liegt im Osten Afrikas und grenzt an den indischen Ozean. Mit 945.000 km² ist das Land fast dreimal so groß wie Deutschland und das mit einer wachsenden Bevölkerung von aktuell circa 62 Millionen Einwohnern. Der wesentliche Großteil der Regionen ist ländlich geprägt, weshalb die Landwirtschaft die ökonomisch wichtigste Branche abbildet und einem erheblichen Teil der Bevölkerung Arbeit bietet. Tansania ist eine föderative Präsidialrepublik im Commonwealth. Insgesamt werden circa 125 lokale Landessprachen gesprochen, wobei Kiswahili (Swahili) als offizielle Nationalsprache gilt. Darüber hinaus ist Englisch auch offiziell Amtssprache und wird von den meisten Tansaniern gesprochen, sodass wir keine Probleme hatten, uns vor Ort zu verständigen. 

Alltag – Schulleben

Die Msafiri School ist eine englischsprachige Privatschule für Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur siebten Klasse, wobei der Großteil der Schulgelder von Spender_innen finanziert wird. Für viele der circa 260 Kinder ist die Schule gleichzeitig ein Internat, jedoch gibt es trotzdem einige Tageskinder, die täglich mit dem Schulbus zur Schule hin und wieder zurückgebracht werden. Der Schulalltag gestaltet sich dort so, dass von morgens bis in den Nachmittag Unterricht stattfindet (natürlich mit einer Mittagspause und „Tea Break“) und dass die Schüler_innen anschließend bis zum Abendessen mehr oder weniger Freizeit haben. Mehr oder weniger sage ich aus dem Grund, weil Dinge wie das Fegen und Reinigen der Unterrichtsräume sowie das Waschen der eigenen Wäsche auch unter diese Kategorie fallen. Nichtsdestotrotz bleibt immer noch genug Zeit für diverse Freizeitaktivitäten.

Um uns ein besseres Bild über den genauen Unterrichtsablauf an der Msafiri School zu verschaffen, durften wir ein paar Mal in Kleingruppen in verschiedenen Klassen hospitieren. Im Grunde genommen läuft der Unterricht oft so ab, dass die Schüler_innen den Lehrer_innen zuhören und das Vorgetragene zum Teil nachsprechen oder Geschriebenes von der Tafel mitschreiben. Außerdem werden die Kinder manchmal vor der Klasse abgefragt oder es werden beispielsweise im Englischunterricht, auch in Gruppenarbeit, Aufgaben aus einem Workbook bearbeitet – ähnlich wie bei uns. „Man müsse den Unterricht abwechslungsreich und vor allem interessant gestalten, damit die Kinder die Freude am Lernen nicht verlieren“, sagte mir einer der Lehrer. Meinem Eindruck nach gelang dies den Lehrer_innen dort auch recht gut. Trotzdem hatten die meisten Kinder ein Lieblingsfach, oft war es Englisch. Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Obwohl es sich bei der Msafiri School um eine englischsprachige Schule handelt, erhalten die Schüler_innen natürlich auch Unterricht in ihrer Zweitsprache, der Verkehrssprache in Tansania, nämlich im FachKiswahili. Jede_r Tansanier_in hat noch eine Muttersprache, so dass Englisch schon ihre dritte Sprache ist. 

Vor unserer Ankunft hatten wir in Deutschland zwei verschiedene Projekte vorbereitet, die wir auf mehrere Tage verteilt, mit den Kindern durchgeführt haben. Beim ersten Projekt haben wir den Schüler_innen in kleinen Gruppen anhand einiger Fotos, die wir mitgebracht hatten, davon erzählt wie unser Alltag in Hannover aussieht, was wir gerne essen, wie wir Weihnachten feiern etc. Die Kinder zeigten sich alle sehr interessiert, aber auch wir hatten jede Menge Fragen an sie. Das zweite etwas größere Projekt, das Maskenbasteln und Geschichten erzählen und illustrieren, sollte den Kindern neben dem Austausch über die Tierwelt hier und da vor allem Spaß bereiten – mit Erfolg! 

Wir haben die Schüler_innen der Msafiri School immer sehr freundlich, höflich und vor allem gut gelaunt erlebt. An den Nachmittagen hatten wir die Möglichkeit sie noch näher kennenzulernen und vor allem auch Spaß mit ihnen zu haben, nämlich beim gemeinsamen Fußballspielen, Seilspringen, Tanzen, Kartenspielen und noch weiteren Aktivitäten. Mir ist sofort aufgefallen, dass der Fokus vor allem auf dem Gemeinsamen lag, denn niemand wurde alleingelassen – viel mehr als bei es bei uns üblich ist, achteten die Kinder darauf, dass man zusammenbleibt.   

Abschließend ist die Msafiri School, wie wir beim Besuch einer staatlichen tansanischen Schule feststellen konnten, viel besser ausgestattet (z.B. mit einem Computerraum) und auch die Größe der Klassen ist an der Msafiri School bei rund 30 Schülern in einer Klasse geringer als bei einer Größe von 50 Schülern und oft noch mehr, wie an den meisten staatlichen Schulen.

Bildung ist das wichtigste Fundament für die Zukunft des jeden Einzelnen, aber auch für die Bekämpfung von Armut von essenzieller Bedeutung. Das Besuchen einer staatlichen Grundschule (Klasse 1-7) in Tansania ist zwar kostenlos, jedoch müssen die Familien in der Regel selbst für Schulbücher und Schuluniformen aufkommen. Dabei handelt es sich um erhebliche Kosten, weshalb viele Kinder ohne Schulmaterial zur Schule geschickt werden oder einige überhaupt nicht. Die Lehrer sind oft überbelastet bei einer zu hohen Anzahl von Schülern und viel zu wenig Lehrmaterial. Insgesamt absolvieren knapp 80% der tansanischen Kinder die Grundschule. Die weiterführenden Schulen hingegen sind nicht kostenlos und werden von nur knapp einem Drittel der Kinder besucht. Auffällig ist dabei, dass vorwiegend Jungen eine sekundäre Schule besuchen. Noch weniger Schüler absolvieren die A- Levels, vergleichbar mit dem Abitur, nämlich nur gut 3%.

Kinder mit Behinderungen besuchen nur extrem selten eine Schule, normalerweise ist das nicht der Fall. Trotz allem hatten wir das Glück eine Schule für Gehörlose zu besuchen. Dort wurde uns gezeigt, mit welchen Methoden die Lehrer_innen dort Unterricht machen. Die jungen Schüler_innen müssen natürlich erstmal die Gebärdensprache erlernen, aber anschließend können auch sie, wie wir gesehen haben, problemlos Unterricht in Fächern, wie z.B. Mathematik und Kiswahili erhalten. Was sich bei mir besonders eingeprägt hat, war eine Schülerin, die sowohl gehörlos und blind zugleich war. Sie hat uns gezeigt, wie sie mit ihrer Lehrerin kommuniziert, nämlich haben sich die beiden bei den Händen genommen und haben sich sozusagen haptisch, also mithilfe des Tastsinns miteinander ausgetauscht. Es war sehr beeindruckend.

Unsere Eindrücke und Erfahrungen

Vor unserer Ankunft wussten wir Schüler_innen nicht so recht, was auf uns zukommen würde. Natürlich hatten wir uns im Vorfeld mit Minireferaten über Tansania informiert und hatten uns Fotos angeschaut, aber so eine richtig gute Vorstellung von dem was uns erwartete, hatten wir dennoch nicht. Wir kamen also spät abends am Flughafen Kilimanjaro an und wurden sehr herzlich von einigen Lehrer_innen und Mitarbeiter_innen der Msafiri School in Empfang genommen. Darunter war auch Flora, die stellvertretende Schulleiterin, die an der Schule alles für uns organisiert und uns bei Ausflügen begleitet hat. Nach einer dreistündigen Busfahrt vom Flughafen bis zur Schule war es bestimmt schon ein Uhr morgens als wir endlich da waren. Auch an der Schule erwarteten uns noch zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Schule, die uns sehr herzlich willkommen hießen. Nach einer kleinen Mahlzeit wurden wir zu unseren Unterkünften gebracht. Wir wurden verteilt auf zwei kleine Häuser, die aus mehreren Schlafzimmern und einem Gemeinschaftsraum bestanden.   

Unseren ersten Tag konnten wir vor allem dazu nutzen, die Msafiri School näher zu erkunden. Das Schulgelände war sehr grün und auch ziemlich groß, aber wir konnten uns trotzdem recht schnell zurechtfinden. Generell verlief unser Alltag an der Schule oft so, dass wir entweder vormittags oder nachmittags einen Ausflug gemacht haben und den restlichen Tag an der Schule mit den Kindern verbracht haben. 

Zu Anfang mussten wir natürlich erstmal Geld wechseln, d.h. Euro in Tansania-Schilling. Ein Euro entspricht circa 2500 TZS. Das Geld haben wir u.a. auf den vielen tansanischen Märkten ausgegeben, die wir besucht haben. Dort gab es jede Menge Sachen zu kaufen, wie beispielsweise Obst und Gemüse. Einige von uns haben sich Kokosnüsse, Mangos, Avocados oder Wassermelonen gekauft, denn in Tansania wächst jede Menge von dem Obst, das wir in Deutschland bloß als importierte Ware aus fernen Ländern kennen.

 Abgesehen davon haben sich einige von uns auf dem ersten Markt den wir besucht haben, in Mwanga – dem nächsten etwas größeren Ort in der Nähe, Stoffe gekauft. Diese nennen sich Kanga oder Kitenge und existieren in allen möglichen Farben und mit verschiedenen Motiven und Mustern. Nachdem wir uns also ein Kanga unserer Wahl ausgesucht haben, sind wir damit zum Schneider der Msafiri School gegangen, welcher uns daraus sehr schöne Hosen, Röcke und Hemden unserer Wahl geschneidert hat.

Einen Tag haben wir einen Massai-Markt besucht, wo ein paar von uns eher außergewöhnliche Käufe getätigt haben. Davor ganz kurz zu den Massai: Die Massai sind die wohl bekannteste ostafrikanische Volksgruppe, die in südlichen Teilen Kenias sowie im Norden Tansanias beheimatet sind. Ursprünglich sind sie ein nomadisch lebendes Hirtenvolk, inzwischen sind die meisten von ihnen Halbnomaden – sie wechseln also in der Regel nur alle paar Jahre ihren Wohnsitz. Sie kennzeichnen sich besonders durch ihre traditionelle Kleidung, am meisten haben wir die karierten Umhänge gesehen, die sich Shouka nennen. Die Massai sprechen außerdem eine eigene Sprache, die Maa-Sprache und haben ihre eigene Religion. Aber zurück zum Massai- Markt: dort gab es wie bei den anderen Märkten auch, eine große Auswahl an Gewürzen, Obst und sonstigen Speisen, aber auch traditionellen Schmuck der Massai und natürlich auch Shouka-Umhänge. Zusätzlich konnte man Kühe und Hühner kaufen, etwas das allerdings für tansanische Märkte nicht ungewöhnlich ist. Also kamen ein paar unserer Schüler_innen auf die Idee, der Msafiri School ein Huhn mitzubringen und zu schenken. Im Endeffekt sind wir dann aber mit drei Hühnern zurückgefahren, die sich glücklicherweise auf der Rückfahrt im Bus ruhig verhalten haben …

An einem Sonntag haben wir einige der christlichen Kinder der Msafiri School gemeinsam mit Godson, einem Mitarbeiter der Schule, zu einem Gottesdienst in der nächstgelegenen evangelisch-lutherischen Kirche begleitet. Der Gottesdienst war auf Kiswahili, weshalb wir logischerweise nichts verstanden haben, aber trotzdem haben wir zumindest die Melodien einiger schöner Kirchenlieder kennengelernt und es wurde sogar etwas getanzt!         Tansania ist größtenteils christlich und muslimisch geprägt. Darüber hinaus ist das Land auch von traditionellen afrikanischen Religionen geprägt, dessen Riten oft auch von Muslimen und Christen beachtet werden. Um Konflikte zu vermeiden, wird die Religionszugehörigkeit seit 1967 nicht mehr statistisch erfasst, weshalb man die genaue Verteilung nur ungefähr bestimmen kann, jedoch gibt es in etwa gleich viele Christen und Muslime in Tansania. Anhänger traditioneller Religionen machen den kleinsten Anteil aus. Die Religionsfreiheit ist seit 1976 gesetzlich verankert und allgemein leben die unterschiedlichen Religionen friedlich miteinander. Das konnten wir auch an der Msafiri School beobachten, denn unter den Kindern spielte die jeweilige Religionsangehörigkeit keine Rolle – Freundschaften zwischen Christen und Muslimen sind völlig normal. Auch die muslimischen Kinder an der Schule können freitags in Begleitung einer Lehrkraft in die Moschee gehen.

Mir ist besonders aufgefallen, dass der Glauben in Tansania eine viel wichtigere Position im Leben einnimmt, als es bei uns heutzutage der Fall ist. Zum Beispiel in der Kirche hatten sich alle Menschen für diesen Anlass ihre schönsten Kleider angezogen und auch im Alltag habe ich gemerkt, dass viele Zuversicht vor allem durch ihren Glauben gewinnen.    

Wir hatten das Glück, dass die Gastronomie- und Hotellerie-Auszubildenden der gerade eröffneten Berufsschule auf dem Msafiri Gelände, Harriet, Rene, Siah, Love und Mwana täglich für uns gekocht haben und wir so tansanisches Essen probieren konnten. Meist gab es Gemüse mit einer entsprechenden Beilage. Doch gerade bei den Beilagen wurde es interessant: Bei Ugali gingen unsere Geschmäcker paradoxerweise am meisten auseinander, denn dabei handelt es sich um einen relativ festen weißen Getreidebrei aus Maismehl, der aber an sich eigentlich kaum Geschmack hat – er dient wirklich nur als Sättigungsbeilage

Ursprünglich aus Indien stammt außerdem das Fladenbrot Chapati, welches aber in abgewandelter Variation schon lange in Ostafrika existiert. Chapati schmeckte uns eigentlich allen gut und wurde zusammen mit weißen Bohnen serviert. Manchmal gab es auch Chipsi, das kann man sich von dem britischen Wort „chips“ ableiten. Es handelte sich also um selbstgemachte Pommes, die wir oft mit Hühnerfleisch und/oder Gemüse gegessen haben. Mein persönlicher Favorit war der sogenannte Pilau-Reis, der speziell gewürzt und meist mit Gemüse gegessen wird. Nicht zu vergessen ist, dass wir zu unseren Speisen oft Salat und frisches Obst wie Mango und Wassermelone bekommen haben. Ein großes Dankeschön an der Stelle!

Safari 

Am Anfang unserer zweiten Woche ging es auf eine zweitägige Safari! Mit etwas Verspätung sind wir früh morgens von der Msafiri School aus zum Nationalpark Tarangire gefahren. Doch bereits beim Warten vor der Einfahrt des Parks begegneten wir Tieren, nämlich einigen Affen! Wir waren nur eben aus den Jeeps ausgestiegen und hatten die Türen offengelassen, als einer der Affen kurz reinsprang, um Frau Günthers Banane zu stehlen. Damit war er dann auch schnell verschwunden und hat sie noch vor unseren Augen gegessen…

Wir sind zu Anfang der Regenzeit nach Tansania gefahren, weshalb es abends oft anfing in Strömen zu regnen, meist die ganze Nacht. An diesem Tag hatte es auch den ganzen Vormittag recht stark geregnet, doch als die Safari losging, schien zum Glück wieder die Sonne. Umso besser, denn auf die Safari hatten wir uns alle total gefreut. Insgesamt wurden wir auf drei Jeeps verteilt, mit denen wir dann durch den Nationalpark gefahren sind. Wir haben jede Menge Tiere aus der Nähe sehen können, wie beispielsweise einen afrikanischen Strauß, einige Elefanten und Giraffen. Das Highlight war aber ein Löwe, der unmittelbar vor uns lag – echt atemberaubend! Innerhalb weniger Minuten war der Arme allerdings schon umringt von bestimmt 20 Jeeps. Aber auch die Landschaft des Tarangire Parks war sehr schön und sehenswert, mit offenen Baumsavannen bestehend aus Baobabs (Affenbrotbäumen) und Akazien. 

Nach einer tollen Safari und einem langen Tag fuhren wir mit den Jeeps zu unserem Campingplatz, wo uns Abendessen erwartete.

Am nächsten Morgen mussten wir wieder sehr früh aufstehen, um zehn vor sechs, denn unser nächstes Ziel war die Ngorongoro Conservation Area. Der Ngorongoro Krater ist seit 1979 bzw. 2010 UNESCO Weltnatur- und kulturerbe und das aus gutem Grund. Die Aussicht war nämlich echt   faszinierend! 

Auch hier haben wir wieder so einige Tiere gesehen, darunter welche, die wir am Vortag im Tarangire Park noch nicht gesichtet hatten. Dazu zählen Zebras, Antilopen, ein Nashorn aus der Ferne, Nilpferde und verschiedene Vogelarten. Außerdem hatten wir das Glück noch mehrere Löwen zu sehen, zwei saßen auf einem Baum und ein anderer lag wieder praktisch unmittelbar vor uns. Nach einem letzten Mittagessen auf dem Campingplatz ging es dann für uns zurück zur Schule, wo wir erst spät abends eintrafen. Die Safari hatte uns allen besonders gut gefallen, wir hatten viele außergewöhnliche Tiere gesehen und es wurden eine Menge Fotos gemacht. Auch für Frau Deniz und Frau Günther ist es immer wieder ein Abenteuer, selbst wenn es nicht ihre erste Safari war. 

Bagamoyo

Zum Abschluss unserer Reise waren noch drei Tage in Bagamoyo, einem bekannten touristischen Ort am indischen Ozean, geplant. Spontan hatten wir uns dazu entschlossen, Flora einzuladen, denn sie war zuvor noch nie in Bagamoyo gewesen. Wir haben uns alle sehr darüber gefreut, dass sie uns begleitet hat.

 An einem frühen Morgen brachen wir also auf, denn es erwartete uns eine lange Busfahrt von über acht Stunden. Diese Zeit haben wir genutzt, um etwas zu schlafen, aber auch um die wundervolle Landschaft zu bestaunen, denn Tansania ist ein besonders grünes Land. Wir waren umgeben von vielen Palmen und Bergen. Ab und zu konnte man in der Ferne auch den berühmten Kilimanjaro sehen – das größte Bergmassiv Afrikas. Als wir dann aber endlich in unserer Lodge in Bagamoyo ankamen, war die Aufregung wieder sehr groß. Wir brachten unsere Koffer in unsere Häuschen, welche sich direkt vor dem Strand mit Blick aufs Meer befanden – ein Traum! Unseren restlichen Nachmittag verbrachten wir damit, im indischen Ozean zu baden, bevor es anschließend zum Abendessen ging. 

Der darauffolgende Tag lief so ab, dass wir nach dem Frühstück von unserem Guide abgeholt wurden, der uns vor allem Bagamoyos historischen Kontext erklärt hat. Aufgrund der geografischen Lage der Stadt an der Küste, war dieser Ort früher von großer Bedeutung für den Sklavenhandel und den Kolonialismus. Wir besuchten erst die Caravan Serai, ein Gebäude, welches früher von arabischen Sklavenhändlern auf der Durchreise aufgesucht wurde und heutzutage als Museum dient. Dort erfuhren wir mehr zur Kolonialgeschichte und zum Sklavenhandel in Bagamoyo im 19. Jahrhundert. Jedoch fiel mir auf, dass die Texte im Museum, anders als ich es erwartet hatte, aus einer sehr westlichen Perspektive geschrieben wurden und die eigentlichen Gräueltaten dieser Zeit nicht wirklich zum Ausdruck kamen. Meine Vermutung bestätigte mir unser Guide, tatsächlich wurden die Texte von Briten verfasst. Tansania war von 1880-1919 unter deutscher Herrschaft und von 1919 bis zur Unabhängigkeit des Landes 1961 unter britischer Herrschaft und gehört deswegen zu den 54 Ländern im Commonwealth. Spuren der deutschen Kolonialgeschichte entdeckten wir später noch mehr, nämlich im sogenannten Stone Town, wo wir verschiedene Gebäude aus dieser Zeit gesehen haben. Außerdem besuchten wir einen Friedhof deutscher Soldaten und Offiziere, nicht weit weg vom Hafen Bagamoyos. Nach dem Mittagessen erkundeten wir einen Kunstmarkt, ursprünglich ein Sklavenmarkt, wo verschiedene Künstler Bilder und Holzarbeiten an Touristen verkauften. Wir wurden alle fündig und kehrten nach dem Besuch einer antiken Kirche zurück zur Lodge und verbrachten den restlichen Nachmittag am Meer.  

Wir schliefen noch ein letztes Mal in Tansania und starteten unseren letzten Tag mit dem Besuch des College of Arts (TaSUBa) von Bagamoyo. Wir bekamen einen Einblick in das Konzept dieser Kunstschule, hier steht besonders das gemeinsame Arbeiten im Vordergrund, aber auch die individuelle Ausschöpfung des Potenzials des jeden Einzelnen. Uns wurde das Tonstudio gezeigt, wo Songs aufgenommen wurden und eine Theatergruppe stellte uns noch ein kurzes Stück vor.

  Abschließend besuchten wir die Kaole Ruinen, welche zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert von ausländischen Händlern errichtet wurden. Dort haben wir Überreste einiger Gräber und einer Moschee gesehen.

 Zurück in der Lodge nutzten ein paar von uns die Gelegenheit, noch ein letztes Mal im indischen Ozean zu baden, denn gegen Abend fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen nach Dar es Salaam, der größten Stadt Tansanias. 

Ein paar letzte Worte

Während dieser einzigartigen Reise sind wir alle reich an neuen Erfahrungen geworden und haben unseren Horizont in vielen Aspekten erweitern können. Wir haben außerdem neue Kontakte geknüpft und haben eine komplett neue Kultur kennengelernt. Die Msafiri School hat uns nicht nur besonders herzlich empfangen, sie hat sich auch auf eine besondere Weise von uns verabschiedet. Uns zu Ehren wurde für ein gemeinsames Abschiedsfest eine Ziege geschlachtet und nach ein paar Abschiedsreden bekam jede*r  Einzelne von uns noch ein paar Mitbringsel aus Tansania. Natürlich standen wir nicht mit leeren Händen da und hatten auch Geschenke für die Mitarbeiter_innen der Schule sowie für die Kinder mitgebracht. An dieser Stelle vielen Dank an alle Spender_innen der Bismarckschule, die es uns ermöglicht haben, der Msafiri School damit eine große Freude zu machen!

Diese Reise wird uns noch lange in Erinnerung bleiben…

Nilufar Evers
für die Tansaniareisenden der Unesco-AG

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